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Weibliche DJs: Eine Seltenheit


Die Lichter sind grell, die Musik ist laut und ich spüre den Bass in meinem ganzen Körper. Ich befinde mich auf einem DnB (Drum and Bass) Festival. DnB ist eine Art von elektronischer Musik. Das Festival dauert zwei Tage. Besser gesagt zwei Nächte und Schluss ist erst früh morgens. Die Menschen um mich herum könnten unterschiedlicher nicht sein. Jede Person bleibt sich ihrem Stil treu und hat keine Scheu das zu zeigen. Ich fühle mich wohl hier.
Doch ein Gedanke lässt mich nicht los während ich zu den dumpfen Klängen der Musik rave. Wieso sind die meisten DJs, die hier auflegen Männer? Wieso ist es etwas Neues für mich, wenn ich auf einmal eine Frau am DJ-Pult stehen sehe?

Also beginne ich zu recherchieren, und stoße dabei auf eine 2024 veröffentlichte Studie von female:pressure, die seit 2013 regelmäßig publiziert wird. Dabei wird die geschlechtsspezifische Verteilung von Künstler:innen, die weltweit auf elektronischen Musikfestivals auftreten, untersucht. Seit 2017 wird zwischen weiblichen, männlichen, non-binary und gemischten Acts (Gruppen von zwei oder mehreren Künstler:innen verschiedenen Geschlechts) unterschieden.

Eine Studie deckt auf

Female:pressure ist eine transnationale Datenbank und ein Netzwerk für FLINTA DJs, Producer, bildende Kunstschaffende und allen Berufen, die vorwiegend im Bereich der elektronischen Musik arbeiten. Die Plattform wurde 1998 von der Wiener DJ Electric Indigo gegründet und soll vor allem die Arbeit von FLINTA Personen in einem männlich dominierten Sektor sichtbar machen.

In den Jahren 2022-2023 hat female:pressure 175 Festivalausgaben (von 110 Einzelfestivals) untersucht. Insgesamt wurden seit 2012 bereits Daten von 1008 Festivalausgaben von 281 Einzelfestivals ausgewertet.

Das Ergebnis ist eindeutig. Der Anteil weiblicher Künstler:innen auf elektronischen Musikfestivals ist zwar seit 2021 von 9,2% auf 29,8% im Jahr 2023 gestiegen, bleibt aber immer noch gering im Vergleich zum Anteil der männlichen Acts in Höhe von 58,4%.

Ein langsamer, aber stetiger Anstieg von Künstlerinnen bei elektronischen Musikfestivals ist also über das letzte Jahrzehnt hinweg bemerkbar. Dennoch tendieren große Musikfestivals dazu am wenigsten weibliche, und non-binary Acts zu buchen. Gerade die Shows, mit der größten Reichweite. Dem entgegenstehend haben die kleineren Festivals, die diverseren Line-Ups. Dies zeigt noch einmal das Ungleichgewicht der Geschlechterrepräsentierung auf elektronischen Musikfestivals.

Aber woher kommt dieser Unterschied?

Die gläserne Decke

In einem Interview mit dem SRF (Schweizer Rundfunk) erklärte die Musiksoziologin und Institutsleiterin an der mdw (Universtitä für Musik und darstellende Kunst Wien) Rosa Reitsamer die Gründe für die Unterrepräsentation von Frauen in der DJ-Szene. Sie forscht zu Musikszenen und Netzwerken vor allem in der elektronischen Musik und hat unter anderem zum Thema der Unterrepräsentation von DJ-Frauen in der EDM (electronic dance music) publiziert.

Obwohl die EDM-Szene bereits in den späten 1980er Jahren die Grenzen von stereotypischen Geschlechterrollen überwinden wollte, halten sich bis heute hartnäckige Vorurteile. Frauen könnten nicht so gut auflegen wie Männer, wäre ein Beispiel dafür. Diese Voreingenommenheit stammt von den, auch in der übrigen Gesellschaft verankerten, geschlechtsspezifischen Vorurteilen. Diese spiegeln sich in der EDM-Szene wider.

Mädchen werden schon früh beeinflusst

Unterschiede zwischen Burschen und Mädchen werden schon früh gemacht. Mädchen, die Interesse am Auflegen zeigen, würden oft nicht ermutigt diesen Weg weiterzugehen. Oder aber es wird ihnen eingeredet, dass sie nicht mit Technik umgehen könnten. Auch der Einstieg in die Szene wäre nicht leicht für weibliche DJs. Residencies, also das regelmäßige Auflegen in einem Club, würde eher an männliche DJs vergeben. Aber nicht nur das, viele der Clubs und Plattenlabels sind im Eigentum von Männern. Darüber hinaus gibt es viele männliche Bookers. Dementgegen stehen Frauen, die hinter der Bar Getränke verkaufen, Flyer verteilen oder in den Garderoben arbeiten. Diese unterschiedlichen Lebensrealitäten zeigen auch das starke Machtgefälle der Geschlechter in diesem Sektor. All diese Faktoren führen dazu, dass Auftritte und Bookings von weibliche DJs erschwert werden. Zudem konnte Rosa Reitsamer in ihrer Forschung beobachten, dass Männer ihr Wissen in der Technik, ihr Netzwerk und ihre Kontakte oft untereinander vergeben. Dies sei typisch für informelle Netzwerke, bei denen Frauen dann leider außen vor bleiben.

 

Not macht erfinderisch

Doch es ist nicht nur alles negativ. Denn diese ungleichen Umstände bringen weibliche DJs dazu ihre eigenen Clubs und Plattformen, wie zum Beispiel female:pressure zu gründen, oder eigene Festivals zu veranstalten, wie die Heroines of Sound in Berlin. Durch diese Netzwerke kann viel bewirkt werden, vor allem weil es hierbei dann nicht um Aussehen oder Geschlecht geht, sondern rein um das Können. Darüber hinaus werden auch für junge Mädchen gleichgeschlechtliche Vorbilder geschaffen und sie so dazu ermutigt denselben Weg zu gehen. Dazu kommt, dass die Digitalisierung viele Möglichkeiten bietet. Über Plattformen wir Soundcloud, Youtube oder soziale Medien können weibliche DJs ihre Musik besser und schneller promoten und so alte Machtstrukturen überwinden.

Ein weiteres positives Kontrastbeispiel zu bestehenden homogenen Netzwerken ist die

Karriere von der Wiener DJ Anna Ullrich. Vor 12 Jahren startete sie mit dem Auflegen von House-Musik und war damit allein unter Männern. Doch sie hatte Glück. Anna’s bester Freund war bereits DJ und organisierte regelmäßige Veranstaltungen im Sass, ein Wiener Club. Er entdeckte ihr Potenzial und brachte ihr schließlich auch das Auflegen bei. Das Sass wurde unter der Woche extra für sie geöffnet und so konnte Anna ungestört in „echter“ Atmosphäre professioneller werden. Mit ihrer ersten eigenen Veranstaltungsreihe „Puppenhouse“ kam sie so gut an, dass sie diese bald landesweit organisierte. Heute zählt Anna Ullrich zu den bekanntesten DJs Österreichs. Mit über 100.000 monatlichen Hörer:innen auf Spotify schlägt sie Wellen in der europäischen elektronischen Musikszene. Neben Auftritten in kultigen Wiener Clubs wie der „Grellen Forelle“ legt sie auch im Berliner „Sisyphos“ auf.  Diesen Erfolg nutzt Anna, um auch andere junge Frauen vom Auflegen zu begeistern und zu ermutigen diesen Weg einzuschlagen. Durch ihre Pionierfunktion ist sie zum Vorbild nachkommender Talente geworden und hält DJ-Workshops für junge Mädchen ab, die in ihre Fußstapfen treten möchten. Das Ziel ist es Gleichberechtigung in der DJ-Szene voranzutreiben. Anna’s Motto dabei lautet: „Musik verbindet Menschen.“

 

Und so hoffe ich, dass die Zukunft weiblich ist und ich vielleicht schon beim nächsten Besuch dieses DnB-Festivals mehr weibliche DJs auf der großen Bühne auflegen sehe.

 

Quellen:

Female:pressure Trouble Makers. (2024, March 8). FACTS 2024. https://femalepressure.wordpress.com/

SRF. (2017, Juli 7). Die Elektro-Szene ist eine Männerwelt. https://www.srf.ch/kultur/musik/sexismus-am-dj-pult-die-elektro-szene-ist-eine-maennerwelt

Peltner, A. (2025, Januar 3). Unser Artis of the Month Januar ist: Anna Ullrich. https://blog.recordjet.com/unser-artist-of-the-month-im-monat-januar-ist-anna-ullrich/ .


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