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Wie geht es uns wirklich? – Was die steirische Jugendstudie 2025 zeigt


Wie geht es jungen Menschen in Österreich eigentlich gerade? Einmal loskommen von dem gängigen Klischee der Jugend, die unbeteiligt und interessiert in ihr Handy schaut. Ganz ernsthaft gefragt: Wie fühlen sie sich, woran glauben sie, wovor haben sie Angst?

Genau das hat die 7. Steirische Jugendstudie 2025, durchgeführt von der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus und dem Sozialforschungsinstitut x-sample, untersucht. Über 2.000 Jugendliche in der Steiermark wurden zu ihrem Alltag, ihrer Gesundheit und ihren Zukunftsvorstellungen befragt. Das Ergebnis zeigt ein widersprüchliches Bild: Viele glauben an sich selbst und daran, ihren eigenen Weg gehen zu können. Gleichzeitig ist das Vertrauen in Gesellschaft und Politik deutlich fragiler geworden. Eine Zukunft, die Chancen für Alle bietet, fühlt sich für viele nicht erreichbar und schon gar nicht selbstverständlich an.

Ein Thema, das sich durch unsere gesamte Gesellschaft zieht und junge Menschen ganz besonders betrifft, ist psychische Belastung. Stress, Erschöpfung, Schlafprobleme oder das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, gehören für viele zum Alltag. Leistungsdruck in Schule oder Ausbildung, Erwartungen von außen und die Unsicherheit darüber, wie die eigene Zukunft aussehen wird, hinterlassen Spuren. Für manche ist Überforderung kein Ausnahmezustand mehr, sondern ein Zustand, der immer wiederkehrt.

Gleichzeitig spielt sich ein großer Teil des sozialen Lebens online ab. Viele Jugendliche verbringen täglich mehrere Stunden auf Social Media. Diese Plattformen sind längst mehr als nur Unterhaltung, sie sind sozialer Raum, Nachrichtenquelle und Kommunikationsmittel zugleich. Hier entstehen Freundschaften, Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Gleichzeitig entsteht aber auch ein ständiger Vergleich mit anderen: Wer sieht besser aus? Wer ist erfolgreicher? Wer führt das scheinbar bessere Leben?

Gerade in einer Zeit, in der Informationen im Sekundentakt verbreitet werden und Fake News immer präsenter sind ist es schwierig, Inhalte sinnvoll einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. Neben positiven, verbindenden Inhalten begegnen junge Menschen online auch Hass, Gewalt oder unrealistischen Schönheits- und Lebensidealen. Viele berichten, dass genau diese Inhalte sie belasten oder verunsichern.

Psychische Gesundheit ist kein individuelles Problem einzelner Jugendlicher sondern ein gesellschaftliches Thema. Wenn junge Menschen unter Druck stehen, wenn sie sich überfordert oder allein fühlen, dann ist das keine persönliche Schwäche, es ist ein Zeichen dafür, dass Strukturen, Erwartungen und Lebensrealitäten genauer angeschaut werden müssen.

Und trotzdem aller Schwierigkeiten und Hindernisse: Jugendliche sind nicht apathisch. Sie sind reflektiert, Sie denken über ihre Zukunft nach, über Arbeit, über Sicherheit, über ihren Platz in der Gesellschaft. Es zeigt sich eine Generation, die bereit und gewillt ist, Verantwortung zu übernehmen und für andere Menschen einzustehen, aber auch eine, die sich oft zu wenig unterstützt fühlt.
Und genau hier fängt die Studie an, uns alle zu betreffen. Wenn junge Menschen sagen, dass sie sich psychisch belastet fühlen, dann ist das kein individuelles Problem sondern ein strukturelles. Es bedeutet, dass es mehr kostenlose und niederschwellige psychologische Angebote braucht. Psychologische Unterstützung ist essenziell, Schulpsycholog:innen dürfen keine Ausnahme sein, die man gelegentlich in der großen Pause erwischt – wenn man gerade Glück hat. Unterstützung muss erreichbar sein, ohne lange Wartezeiten und ohne Hürden. Psychische Belastungen verschwinden nicht einfach, nur weil man sie ignoriert. Wenn Stress, Angst oder Überforderung über längere Zeit bestehen bleiben, wirkt sich das auf sämtliche Lebensbereiche aus: auf Konzentration, Motivation, Beziehungen und letztlich auch auf die körperliche Gesundheit. Gerade junge Menschen befinden sich in einer Lebensphase, in der sich vieles verändert, Schule, Ausbildung, Freundschaften, Identität, Zukunftspläne. Gerade in dieser Phase des Lebens ist Unterstützung oft entscheidend.

Wenn digitale Räume einen so großen Teil des Lebens einnehmen, dann braucht es verpflichtende Medienbildung. Nicht als einmaligen Workshop, sondern als festen Bestandteil von Schule und Ausbildung. Junge Menschen müssen wissen, wie sie sich schützen können, wie sie Inhalte einordnen und wo sie Hilfe finden, wenn etwas passiert. Insbesondere in Zeiten, in denen Fake News so weit verbreitet sind wie nie zuvor und sich innerhalb weniger Sekunden verbreiten können.

Und wenn Jugendliche sagen, dass ihr Vertrauen in Politik sinkt, dann ist die Antwort nicht, ihnen zu sagen, sie sollen sich einfach mehr interessieren. Die Antwort ist, ihnen echte Mitbestimmung zu ermöglichen. Jugendbeiräte, Beteiligungsprojekte in Gemeinden und gelebte politische Bildung sind notwendig, damit Demokratie nicht als theoretisches Konzept wahrgenommen wird, sondern als etwas, in dem alle Menschen Beteiligungsrechte haben.

Was jetzt passieren muss, ist klar: Jugendthemen und junge Menschen müssen endlich Priorität bekommen. Zu oft wird über junge Menschen gesprochen, zu selten mit ihnen. Studien werden präsentiert, Schlagzeilen geschrieben, danach verschwindet vieles wieder aus der politischen Aufmerksamkeit. Genau das darf hier nicht passieren.
Es braucht konkrete Maßnahmen, mehr Investitionen in mentale Gesundheit, mehr niederschwellige Beratungsangebote und ausreichend psychologische Unterstützung an Schulen. Junge Menschen müssen wissen, dass sie Hilfe bekommen können, bevor multiple Belastungen zu einer echten Krise werden. Gleichzeitig braucht es starke Jugendarbeit, sichere Räume und Angebote, in denen Jugendliche sich austauschen, engagieren und einfach sie selbst sein können.

Auch Bildung spielt eine zentrale Rolle. Schule muss ein Ort sein, der nicht nur Leistung misst, sondern junge Menschen stärkt. Ein Ort, an dem über mentale Gesundheit gesprochen werden kann, an dem Medienkompetenz vermittelt wird und an dem jungen Menschen dabei begleitet werden, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden.
Die steirische Jugend hat gesagt, wie es ihr geht. Sie hat offen über Sorgen, Belastungen und Zukunftserwartungen gesprochen. Jetzt liegt es an Politik, Bildungssystem und Gesellschaft, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen. Denn wenn wir wollen, dass junge Menschen optimistisch in die Zukunft blicken können, dann müssen wir auch die Bedingungen dafür schaffen.


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