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Kein Frieden ohne Frauen


Für 1,8 Milliarden Menschen – das sind 24 % der Weltbevölkerung – gehört Gewalt zum Alltag, da sie momentan in fragilen und von Konflikt betroffenen Ländern leben. Besonders Frauen sind es, die mit diesen unsicheren Lebensbedingungen oftmals zu kämpfen haben. Im Kontext eines Konfliktes findet geschlechtsspezifische Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung massenhaft und weltweit Anwendung, denn – Ungleichheit, Gewalt, Konflikt und Fragilität verstärken sich.

20 Jahre „Frauen, Frieden und Sicherheit“

Frauen sind aber nicht nur Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen, sondern auch aktiv Handelnde und Gestalterinnen, wenn es um Konfliktlösung und Herstellung von nachhaltigem Frieden geht. Dieses Jahr gilt es, diesen Umstand besonders hervorzustreichen: Heuer begehen wir das 20-jährige Jubiläum der Annahme der UN-Sicherheitsratsresolution 1325 „Frauen, Frieden und Sicherheit“. In dieser Resolution wurde im Jahr 2000 erstmalig bekräftigt, wie wichtig es ist, Frauen in Friedensverhandlungen, die humanitäre Planung, friedenserhaltende Maßnahmen sowie in die Friedenskonsolidierung und -verwaltung nach Konflikten miteinzubeziehen.

UNSCR 1325 als Meilenstein der Frauenfriedensbewegung

Die ist ein Meilenstein in der Implementierung von Geschlechterperspektiven in Friedens- und Konfliktforschung: Durch die Verabschiedung der Resolution erkannte der Sicherheitsrat etwa die unterschiedlichen Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf Männer und Frauen an. In Expertenkreisen wendet man die Formel der „4P’s“ an, um den Inhalt der Resolution grob zusammenzufassen: „prevention, protection, participation and peacebuilding“. Einerseits geht es um die verstärkte Beteiligung von Frauen an Entscheidung und Friedensprozessen, sowie um den Schutz von Frauen und ihren Rechten in und nach bewaffneten Konflikten, andererseits soll aber auch eine generelle Geschlechterperspektive in die Friedenseinsätze und Friedensabkommen integriert werden.

Dass die Resolution längst überfällig war, zeigen die Statistiken: Von 1957 bis 1989 waren nur rund Frauen unter dem militärischen Personal der UN-Peacekeeping-Operationen. Bei der Resolution 1325 geht es aber vordergründig um eine Neudefinition der Qualität von Friedens- und Sicherheitspolitik – was alleine mit einer quantitativen Erhöhung des Frauenanteils in den Streitkräften nicht zu machen ist. Früher wurden in Friedensprozessen hauptsächlich bewaffneten Gruppen die Verantwortung für die Konfliktbeilegung übertragen, was in erster Linie eben Männer waren. Durch die Resolution wird letztendlich die Beteiligung aller relevanten sozialen Gruppen gefordert – auch wenn diese nicht aktiv oder direkt an den Auseinandersetzungen beteiligt waren.

Für eine Welt ohne Krieg und Gewalt

Auch wenn die UN-Sicherheitsratsresolution 1325 und ihre neun Folgeresolutionen durchaus als Fortschritt in punkto Miteinbeziehung von Frauen in Friedensprozessen und die Verbesserung deren Lebensumstände in fragilen Situationen gesehen werden können, zeigt die Realität klar, dass Frauen auch heute, 20 Jahre nach der Annahme der Resolution 1325, in Konflikten und Post-Konfliktsituationen noch immer benachteiligt werden.

Am 23. April 2019 gaben 65 UN-Mitgliedsstaaten und Organisationen ein mündliches Commitment ab, die Verpflichtungen zur Agenda von „Frauen, Frieden und Sicherheit“ vorantreiben zu wollen. Es bleibt zu hoffen, dass diese erneute Beteuerung der Wichtigkeit dieser Agenda sich auch in deren Umsetzung und Anwendung wiederspiegelt. Denn, wie Valerie Norville in einem Bericht des United States Institute of Peace betont: „Building lasting peace and security requires women’s participation. Half of the world’s population cannot make a whole peace.”


Quellen

United Nations Security Council: Resolution 1325 (2000) Women, Peace and Security, adopted by the Security Council at its 4213th meeting on 31 October 2000. Als Download, https://undocs.org/en/S/RES/1325(2000)

Silvia Braun: Frauen in die Mitte. Die UN-Resolution 1325 (2000), In: Brabandt/Roß/Zwingel (Hrsg.), Mehrheit am Rand? Geschlechterverhältnisse, globale Ungleichheit und transnationale Handlungsansätze, Wiesbaden 2008, S.242

Valerie Norville: The Role of Women in Global Society, United Stated Institute of Peace Special Report 264, USIP 2011, Als Download: https://www.usip.org/sites/default/files/SR264-The_role_of_Women_in_Global_Security.pdf


Weiterführende Links:

1) Globaler Fragilitätsindex
https://fragilestatesindex.org/

2) UN Women
https://www.unwomen.org/en/what-we-do/peace-and-security/global-norms-and-standards#_WPS_resolution

3) Frauen als Akteurinnen in Friedensprozessen (Ursula Werther-Pietsch)
http://www.bundesheer.at/pdf_pool/publikationen/
buch_werther_pietsch_inclusive_peace_web.pdf

 


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