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Rettet Extinction Rebellion unsere Zukunft?


In den letzten Monaten hat jede*r von uns schon davon gehört oder gelesen, sei es im Fernsehen, im Radio, auf Twitter oder oft vielleicht sogar auf der Straße bei einem Protest: Extinction Rebellion.

Doch was soll Extinction Rebellion überhaupt sein? Wer steckt dahinter? Was sind Ziele, die erreicht werden sollen und kann das überhaupt funktionieren? Zu diesem Thema habe ich mich näher informiert.

Was ist Extinction Rebellion überhaupt?

Extinction Rebellion (kurz XR) ist laut eigener Aussage eine internationale, partizipatorische Massenbewegung der Zivilgesellschaft deren Ziel es ist, Regierungen der Welt mittels gewaltfreien, zivilen Widerstands zur Erklärung des Klimanotstands und entschiedenem Handeln in Anbetracht der ökologischen Krise zu bewegen. Besonders hervorgehoben wird hierbei, dass die Bewegung ausschließlich gewaltfrei handelt um ihre Ziele durchzusetzen. Zudem gelten Prinzipien wie beispielsweise, dass Machtstrukturen aufgebrochen werden sollen, keine Hetze stattfindet und, ganz wichtig, dass jede*r mitmachen kann (und soll), solange eben jene Prinzipien eingehalten werden. Es gibt viele Ortsgruppen in diversen Ländern, dadurch soll die Teilnahme vereinfacht werden.

Auch in Graz gibt es seit August 2019 eine XR Ortsgruppe, die sich regelmäßig zu Workshops und Diskussionen trifft. Durch XR Graz finden auch in der steirischen Landeshauptstadt Straßenblockaden und Klimaproteste statt.

Forderungen von Extinction Rebellion

XR hat drei große Forderungen an die Politik, für die sich Menschen durch passiven Widerstand, wie zum Beispiel durch Demonstrationen, einsetzen. Die erste und wohl medienpräsenteste Forderung ist die Ausrufung des Klimanotstands, welcher letzte Woche auch tatsächlich vom Europäischen Parlament ausgerufen wurde. Dies soll dazu führen, dass die ökologische Krise greifbar wird und dass jedes einzelne Unternehmen Schritte setzen muss, um der Krise entgegenzuwirken. Die zweite große Forderung ist, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf null zu senken, um Klima und Ökosystem zu stabilisieren

. Das Einberufen einer Bürger*innenversammlung um Maßnahmen gegen Katastrophen und Forderungen für Klimagerechtigkeit zu erarbeiten, ist die dritte Forderung. Die Politik soll dementsprechend nach den Beschlüssen jener Bürger*innenversammlung handeln.

Form des Protests

XR erreichte in den letzten Monaten größte mediale Aufmerksamkeit in Deutschland und Österreich, wohl durch die einwöchigen Straßenblockaden in Berlin. Beispielsweise durch Sitzstreiks wurde der autonome Verkehr durchgehend behindert, auch Festnahmen waren ein fixer Teil des Widerstands. Etwa 6000 Personen wurden für den Protest angemeldet. Rund 1000 Personen zelteten außerdem in einem Klimacamp vor dem Deutschen Kanzleramt, um sich auf die Blockaden vorzubereiten. Obwohl die Straßenblockaden friedlich waren, hagelte es Kritik: XR handle an der Grenze der Legalität. Es wurde zwar definitiv Aufmerksamkeit erzeugt, aber es ob es Sinn macht, zwangsläufig auch öffentliche Verkehrslinien im Rahmen einer Klimaschutzbewegung zu behindern, sei dahingestellt.

Scharfe Kritik an Roger Hallam

XR stand in den letzen Wochen besonders in Kritik. Mitgründer Roger Hallam behauptete in einem Interview mit der „Zeit“, der Holocaust sei nur „ein weiterer Sche*ß in der Menschheitsgeschichte“ gewesen. Diese Aussage wurde von vielen Personen als Verharmlosung des Holocausts gesehen. Roger entschuldigte sich bereits und erklärte, dass seine Intention lediglich gewesen sei darauf hinzuweisen, dass Genozide in der Menschheitsgeschichte häufig stattgefunden haben und dass der Klimawandel eine weitere, vergleichbare Katastrophe sei. XR Deutschland distanzierte sich klar von jener Aussage.

Wie geht es weiter?

Im Zuge dieser Kritik stellen sich viele Menschen die Frage, wie weit Protest gehen darf. Ist es legitim, dass sich Einzelpersonen verhaften lassen? Inwiefern macht es Sinn, ganze Großstädte zu blockieren, um etwas erreichen zu wollen? Ist berechtigt, auch junge Personen mit Angst und Emotionen zum Mitmachen bewegen zu wollen?

Von diesen Methoden kann man halten was man möchte. Fest steht jedoch, dass niemand gezwungen wird sich an Extinction Rebellion zu beteiligen. In Zukunft werden sich definitiv noch mehr friedvolle Klimaproteste finden lassen. Nachdem der Klimanotstand ja tatsächlich ausgerufen wurde, wenn auch nicht nur aufgrund von XR, ist eine der Forderungen schon erfolgreich durchgesetzt worden. Wer weiß, vielleicht bewegen die Proteste in nächster Zeit ja noch mehr als wir jetzt vielleicht denken.


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