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Path Out: Flucht im Pixel-Look


Stell dir vor, das Land, in dem du lebst, in dem du geboren und aufgewachsen bist, versinkt von heute auf morgen im Chaos: Proteste, Aufstände, Gewalt, Bürgerkrieg. Plötzlich weißt du nicht mehr, wem du vertrauen kannst, Menschen verschwinden oder werden zum Militär eingezogen, um für etwas zu kämpfen, von dem sie nicht einmal wissen, ob sie überhaupt daran glauben. Jeden Tag gibt es Verletze und Tote, jeden Tag steigt die Unsicherheit: wie wird es morgen aussehen? Werden wir noch Essen, Wasser, Elektrizität haben?

Das PC-Spiel Path Out  vom Indie-Entwickler Cause Creations, das unlängst mit dem European Youth Award in Graz ausgezeichnet wurde, erzählt die Geschichte von Abdullah Karam und seiner Flucht aus Syrien.  Als Abdullah achtzehn wurde und seine Einziehung ins syrische Militär drohte, entschied er sich, das Land zu verlassen. Nach einer langen, schwierigen und gefährlichen Flucht, bei der er seine Familie in Syrien zurücklassen musste, landete er schließlich in Österreich. Dort traf er auf Mitarbeiter der politisch engagierten Videospielentwicklungsfirma Cause Creations und zusammen entwarfen sie die Idee eines Spiels, das Abdullahs Geschichte autobiographisch umsetzt.

Herausgekommen ist ein bewegendes Spiel im Stile klassischer Rollenspiele aus den Achtzigern. Damit das traumatische Erlebnis der Flucht dabei nicht verharmlost wird und der Spieler sich nicht in einer Illusion verlieren kann, wird der Spielfluss immer wieder von Videosequenzen unterbrochen, in denen Abdullah das Geschehen kommentiert und sich zum Beispiel über das klischeehafte Bild von Syrien lustig macht, das das Spiel auf ironische Weise präsentiert. Zum einen lockern solche humorvollen Passagen die Stimmung auf, gleichzeitig entwickelt der Spieler dadurch eine persönliche Beziehung zu Abdullah und wird immer wieder darin erinnert, dass die Geschichte, die das Spiel erzählt, wirklich passiert ist.

Spieledesigner Zsmombor Sváb spricht in diesem Zusammenhang von einer „paradoxen Ästhetik“, die mittels eines „niedlichen“ Pixel-Looks die äußerst ernste Lebensgeschichte Abdullahs darstellt. Sváb erzählt auch davon, wie sein Team und Abdullah im Jahr 2015 in Salzburg aufeinander getroffen sind und wie dieser sofort von der Idee begeistert war, da er selbst schon seit der Zeit vor dem Krieg und der Flucht ein großer Videospielenthusiast gewesen ist. „Ich hab noch nie jemanden mit einer solchen Energie gesehen“, berichtet uns Sváb. Abdullah hatte mit ihm darüber gesprochen, was für eine große Erleichterung es für ihn gewesen war, seine Erfahrungen zu vermitteln und wie leicht es ihm gefallen ist, seine Geschichte mit anderen zu teilen. Das Spiel ermöglichte ihm, genau das zu tun.

Zsambor Sváb und sein Team präsentierten Path Out vor Kurzem in Graz im Rahmen des European Youth Awards (EYA), wo sie in der Kategorie „Connecting Cultures“ ausgezeichnet wurden. Bei den EYA werden junge Entrepreneurs ausgezeichnet, die an Projekten mit digitalem Bezug arbeiten, die zu einer gerechteren, nachhaltigeren und besseren Welt beitragen wollen. Jedes Jahr gibt es in Graz eine mehrtägige Veranstaltung zur Vergabe der Auszeichnungen, die gleichzeitig den Rahmen für den Austausch der jungen Entwickler und Unternehmer bietet, sodass daraus neue Kooperationen und Ideen entstehen können.

Sváb freut sich über die Möglichkeiten, die seinem Team und ihm dadurch geboten werden: „Wir können mit so vielen Leuten und Organisationen in Kontakt treten, für die [Abdullah’s] Sache ein Anliegen ist“. Was man in der Zukunft von Cause Creations und Abdullah zu erwarten hat? „Wir wollen das Spiel auf verschiedenen Plattformen veröffentlichen und in einem neuen Artstyle präsentieren. […] Wir haben noch vor, Abdullah’s ganze Geschichte zu erzählen.“ Man darf gespannt sein.

Links

Path Out: https://www.path-out.net/

Path Out auf Steam: https://store.steampowered.com/
app/725980/Path_Out

European Youth Award: https://eu-youthaward.org/


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