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„Einzigartig, aber doch eins“ – ein Projekt gegen Rassismus, Sexismus, Homo- und Transphobie


Unter diesem Motto wurde die Schulaula der BHAK/BHAS Judenburg am 16.12.2019 für einen halben Tag zum Atelier künstlerischen Schaffens mit einem gemeinsam Ziel: mehr Farbe, mehr Diversität und Toleranz in einer lebenswerten Gesellschaft. Gemeinsam mit SchülerInnen aus acht verschiedenen Schulen wurde es durch die Gemeinde Judenburg, sowie durch die ARGE gegen Gewalt und Rassismus ermöglicht, diese Veranstaltung durchzuführen.

Die Aula der Handelsakademie Judenburg ist in bunte Farben getaucht – auf acht verschiedenen Leinwänden malen mehr als 20 SchülerInnen ihre Botschaften und Symbole gegen Hass auf. Noch vor einem Jahr war die Stimmung ganz anders; mit schwarzen Graffiti wurden über Nacht die Außenwand der Schule beschmiert. Ein Mensch wurde gezielt mit einer Kombination aus „transgender“, dem Vornamen und der Aufforderung, zu verschwinden, vor hunderten Menschen, die täglich an diesem Gebäude vorbeigehen, bloßgestellt. Ein Projekt wie es heute stattfand schien für mich als damalige Schülerin in der Nachbarschule, frustriert und verärgert über den Vorfall, nahezu illusionär.

Umso schöner war es dann, als ich gehört habe, dass Linda Stiegmaier aus der HAK (siehe Interview unten), gemeinsam mit Direktorin Mag. Sonja Hofer, Mag. Martina Weixler und Mag. Evelyn Leissenberger, ein Projekt initiiert hat. Finanziell unterstützt wurde das Projekt von der Gemeinde Judenburg sowie von der ARGE Gewalt gegen Rassismus, die unter dem Motto „Menschenrechte und Demokratie als gelebte Alltagskultur“ viele Veranstaltungen wie diese finanziell unterstützen.

Alle Schulstufen trafen sich – von der Volksschule zur NMS, vom Gymnasium zu berufsbildenden Schulen wie der BAfEP und BHAK/BHAS, sowie die ASO und PTS Judenburg. Gerade die Zusammenarbeit von Volksschulkindern bis hin zu MaturantInnen verlieh dem Projekt die Vielfalt verschiedener Sichtweisen. Während des Malens kam es zu Gesprächen mit Erfahrungen über dieses Thema, über verschiedene Weltreligionen und Lösungen.

Jede der acht Leinwände wurde mit einem Strich auf der Seite unterteilt; der kleinere Bereich sollte freibleiben, um später die Leinwände wie ein Puzzle zusammenzufügen und einen Regenbogen als Zeichen der Verbindung zu setzen. So war jede Leinwand einzigartig, aber zusammengefügt mit den anderen ein großes Ganzes. Ein großes Ganzes voller Botschaften, die auch jene erreichen sollen, die noch ein konservativ geprägtes Bild von Liebe und Gemeinschaft haben und andere Menschen deswegen ausgrenzen.

Besonders schön war es, einigen Gesprächen der Kinder zuzuhören. Für die jüngeren Kinder aus der Volksschule gab es kaum einen nachvollziehbaren Grund, diesen Workshop zu initiieren. Für sie war die negative Ausdruckskraft der Graffitis gar nicht vorstellbar. Das zeigt uns, dass die Gesellschaft gewisse Bilder von zwischenmenschlichen Beziehungen und „Werte“ vermittelt und weitergibt, und kein Kind von Grund auf Hass in sich trägt.

Das Projekt hat bewiesen: Kunst gegen Hass kann klare Zeichen setzen und viel größere Wellen schlagen als Rassismus, Homo- oder Transphobie. 

Interview mit der Initiatorin Linda Stiegmaier aus der 5BK der BHAK/BHAS Judenburg:

KdR: Wie bist du auf die Idee gekommen, dein Projekt mit Kunst zu verbinden und warum kann Kunst dieses Thema so gut ausdrücken?

Linda: Die Schmierereien an unserer Schulwand wurden ja als „Graffiti“ betitelt und Graffiti ist, im Gegensatz zu diesen Hassparolen, ja auch eine Art von Kunst. So kam mir dann die Idee, dass wir ja auch etwas malen könnten, um so ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung zu setzen. Und Kunst ist etwas Schönes für Augen und auch für die Seele, mit Bildern oder Taten ist es oft leichter sich auszudrücken, als mit Worten.

KdR: Bist du bei der Planung auf große Hürden gestoßen und wer hat dir geholfen, das Projekt zu realisieren?

Linda: Ich bin bei der Planung auf keine einzige Hürde gestoßen, denn alle Personen, mit denen ich über mein Projekt gesprochen habe, waren sehr empfänglich für dieses Thema. Das liegt vor allem daran, dass ich generell in eine sehr tolerante und multikulturelle Schule gehe. Geholfen hat mir vor allem meine Klassenvorständin Mag. Evelyn Leissenberger, die mit mir die Planung des „Maltags“ übernahm. Und natürlich bekam ich auch viel Unterstützung von unserer Direktorin Mag. Sonja Hofer, der mein Projekt von Anfang an sehr gut gefiel. Ohne sie hätten wir niemals so viele andere Schulen mit unserem Projekt erreicht und dann wäre nichts hiervon zustande gekommen. Aber am meisten unterstützt haben mich trotzdem meine Freunde, denn sie haben mich erst überredet, mit meinem Projekt zu unserer Direktorin zu gehen. Ein großes Dankeschön gilt auch der Stadt Judenburg und der ARGE gegen Gewalt und Rassismus, die uns mit einem Budget und vor allem auch mit organisatorischem Wissen unterstützte.

KdR: Inwiefern könnte man noch die Prävention gegen eine solche Ausartung, wie sie letztes Jahr stattfand (Graffiti), stärken?

Linda: Eine Prävention gegen solche Hassattacken gibt es eigentlich nicht. Es wird immer Menschen geben, die intolerant sind und Angst vor allem vor Fremdem und Unbekanntem haben. Das Einzige, was man wirklich tun und auch machen sollte ist, so wie ich es mit meiner Idee gemacht habe, Aufmerksamkeit auf ein so heikles Thema, wie eben zum Beispiel Transphobie, zu lenken. Die meisten Menschen wissen nämlich gar nicht, was es heißt, zum Beispiel „transgender“, „pansexuell“ oder „non-binary“ zu sein. Man muss einem Thema einfach Gehör verschaffen. Meinungen kann man nämlich immer noch ändern, wenn man Menschen und ihre Geschichten kennenlernt.

KdR: Was war das Schönste für dich am Projekt und warum sollte ein solches am besten jährlich durchgeführt werden?

Linda: Das Schönste an meinem Projekt war es, zu sehen, was für Ideen auch die anderen Schülerinnen und Schüler mitbrachten und auch mit ihnen über das Thema zu sprechen. Außerdem hat es mich so sehr gefreut, dass auch so viele andere Menschen mein Projekt inspirierend und gut fanden. Und am Ende kam ein wunderschönes und einzigartiges Kunstwerk zum Vorschein; besser hätte es nicht laufen können. Darüber, ob man solch ein Projekt wirklich jährlich durchführen sollte, kann man diskutieren. Fest steht aber, dass man auf alle Fälle im alltäglichen Leben und auch in der Schule solchen Themen mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.


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