Kenne Deine Rechte

Frauen* in der Politik


Für uns ist es quasi selbstverständlich, Frauen in der Politik wählen zu können. Doch sind Frauen und Männer in diesem Bereich wirklich gleichgestellt? Verdienen sie dasselbe? Erfahren sie gleich wenig (oder viel) Diskriminierung? Wie sieht es mit Hass im Internet aus? Ich habe versucht, diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

50% weibliche Abgeordnete – notwendig oder nur für die Quote?

1919 durften Frauen in Österreich erstmals wählen, unter 170 Abgeordneten zogen acht Frauen ins Parlament. Auch wenn 4,7 % erstmal nicht besonders viel erscheinen, war es doch ein großer Schritt, um etwas zu verändern. Heute sind 68 der 183 Abgeordneten Frauen, mit 37 % hat sich die Zahl zwar vervielfacht, von 50 % sind wir allerdings noch weit entfernt. Die Frage, ob es notwendig ist, eine Gleichstellung im Parlament anzustreben, erübrigt sich ziemlich schnell, wenn man einen Blick auf DAS Land der Gleichstellung wirft: Island. Island hat es geschafft: 48 % der Abgeordneten sind weiblich. Im Gegensatz zu Österreich gehen 90 % der Väter in Geburtskarenz – hier sind es nur 19 %. In einem Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die gleiche Bezahlung gesetzlich vorgeschrieben. Vigdís Finnbogadóttir wurde 1980 die erste Präsidentin der Welt, Jóhanna Sigurðardóttir war von 2009 bis 2013 die erste offen lesbisch lebende Regierungschefin. In Island ganz normal – als Tessa Ganserer, Mitglied des Bayrischen Landtags, sich in Deutschland als Transfrau zu erkennen gab, hagelte es Hass und Beschimpfungen.

Diskriminierung im Parlament

Wenn man von Diskriminierung im Parlament spricht, denke ich zuerst an den polnischen Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke, der 2017 eine Rede hielt, in der er erklärte, dass Frauen für ihn nur eine primitive Art des Mannes seien und dass Frauen weniger verdienen müssen, da sie „kleiner, schwächer und weniger intelligent“ sind. 

Wenn wir schon bei Videos sind. Aktueller als die Rede von Korwin-Mikke ist wohl diese Aufnahme:

Das Video beginnt damit, wie Julia Reda versucht, ihre Rede zu der Copyrightreform zu halten, die durch ständige Zwischenrufe und Unruhe dauernd unterbrochen wird. Etwas später sieht man einen Abgeordneten, der eine Frage stellt, seine Redezeit überzieht und, nachdem er darauf hingewiesen wird, beginnt zu schreien.

Zumindest verdienen Frauen und Männer wenigstens im Parlament gleich viel.

Hass im Internet

Dass Politikerinnen häufig mehr Hass im Internet erfahren als Politiker dürfte für die meisten nichts Neues mehr sein. Hillary Clinton wurde während der Wahlen in doppelt so vielen Tweets wie Bernie Sanders beleidigt. Julia Schramm, Landesvorständin der Berliner Linken, führt einen Tumblr Blog, in dem sie den Hass, den sie im Internet erfährt, sammelt und dokumentiert.

Wenn man durch all diese Seiten scrollt, kann man nur erahnen, wie viel Hass andere Frauen* erfahren, egal ob Politikerin oder nicht. Es liegt an uns allen, diesen Hass zu stoppen und dafür zu sorgen, dass mehr Frauen* sich trauen, in die Politik zu gehen – ohne Hass und Diskriminierung.

Anmerkung:

Abschließend möchte ich klarstellen, dass nicht nur Frauen unter Diskriminierung leiden, egal ob in der Politik oder im Alltag. Die Diskriminierung von homosexuellen, bisexuellen oder transsexuellen Personen ist genauso schrecklich und zu verurteilen und darf auf keinen Fall vergessen werden, es war mir allerdings nicht möglich, alle Arten von Diskriminierung in einem Artikel aufzuzählen. Ich hoffe, dass wir bald in einer Welt leben, in der es nicht mehr nötig ist, Artikel zu verfassen, die Diskriminierung aufzeigen.


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