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Wie ein neuer Gesetzesentwurf indische trans Menschen enthumanisiert


Stell dir vor, du müsstest dich vor Beamtinnen ausziehen, um deine Geschlechtsidentität zu beweisen. Dieses Schicksal steht in Indien lebenden trans Menschen bevor, sollte der sogenannte “Transgender Persons (Protection of Rights) Bill” Gesetzesentwurf, welcher Mitte Dezember vom Indischen Unterhaus verabschiedet wurde, vom Oberhaus angenommen werden. Aber nicht nur das, eine ganze Liste an weiteren stark diskriminierenden Maßnahmen steht in dem Gesetzesentwurf. So werden etwa trans Menschen (auch Erwachsene), welche nicht mit ihrer leiblichen Familie leben können, dazu gezwungen, in Behandlungszentren zu leben, und trans Menschen Unterkunft zu bieten wird verboten. Weiters wird Betteln und Sexarbeit, was für bestimmte Bevölkerungsgruppen in Indien die einzige Einkommensquelle darstellt, für trans Menschen durch den Gesetzesentwurf rechtswidrig.  

Weiters werden auch keine oder nicht ausreichende Maßnahmen unternommen, um der Diskriminierung von trans Personen entgegenzuwirken, im Gegenteil, es werden sogar Gewalttaten an trans Personen unter geringere Strafe gestellt. Auch werden trans und inter Personen in dem Entwurf verwechselt, und keine Maßnahmen gegen nicht einvernehmliche Eingriffe bei inter Personen inkludiert.

Kein Wunder also, dass um Weihnachten und den Jahreswechsel tausende Menschen auf den Straßen waren, um dagegen zu protestieren – vorerst auch mit Erfolg: Der Gesetzesentwurf wurde vom Oberhaus abgelehnt. Durchatmen können trans Personen in Indien deshalb aber trotzdem nicht.

Indischer Nationalismus und religiöse Konflikte auf Kosten von Minderheiten

Nach einem Anschlag auf Polizeieinheiten in der umstrittenen Region Kashmir Mitte Februar kommt es zu Aufständen gegen Menschen aus Kashmir, und gewalttätige Konflikte zwischen Hindus und Muslimen häufen sich. Der Anschlag und die Aufstände werden politisch instrumentalisiert: Parteien schieben sich die Schuld daran gegenseitig in die Schuhe oder rühmen sich mit schnell umgesetzten Sanktionen gegen Pakistan. Die Situation erinnert an Aufstände in der Vergangenheit Indiens, etwa an jene in Gujarat 1969, wo nach einem Anschlag Minderheiten von Politikern gegeneinander aufgehetzt und landesweite Aufstände mit hunderten Toten in Kauf genommen wurden, um einen politischen Vorteil daraus zu ziehen. Vor allem Minderheiten wie trans Personen fürchten daher jetzt, Bauernopfer zu werden, auf deren Rücken politische Machtspiele ausgetragen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Situation in Indien sich zuspitzt, die aktuelle Regierung auf immer drastischere Maßnahmen setzt, um an der Macht zu bleiben, und die Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung steigt. Umso wichtiger, dass die internationale Gemeinschaft dabei nicht wegsieht, sondern das Geschehen kritisch verfolgt.

Quellen/Weiterführende Links


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