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Homeless World Cup – Ein Schmankerl in der Welt des Fußballs


Von Bulgarien über Belgien, von Schweden über Österreich – nicht nur diese Nationen, sondern auch 70 weitere waren beim Homeless World Cup 2018 vertreten. Dieses Streetfootballturnier findet seit dem Jahr 2003, in dem Graz zur Kulturhaupstadt gekürt wurde, statt und widmet sich „dem Rand der Gesellschaft“, genauer gesagt Obdachlosen, Flüchtlingen und Personen mit Alkohol- und Suchtproblemen. Seit der Gründung vor mittlerweile 15 Jahren fand der Homeless World Cup schon weltweit statt, beispielsweise in Kapstadt, Kopenhagen, Mailand und sogar am anderen Ende der Welt, in Rio de Janeiro.

Am Freitag, dem Finaltag, hatte ich auch die Möglichkeit, VeranstalterInnen, ManagerInnen, Teamguides und natürlich auch die SpielerInnen genauer kennenzulernen, welche mir ihre Erfahrungen berichteten, die sie in den letzten Jahren beim Homeless World Cup sammelten und die auch ihr Leben veränderten.

Viktor Kirkov, Manager des bulgarischen Teams, erzählte mir mehr über seine Aufgabenbereiche und persönlichen Erfahrungen im Rahmen des Streetfootballturniers. Er sagte, er sehe sich mehr als Lifecoach und nicht nur als Manager seines Teams, welches aus jungen Frauen und Männern besteht. Seit 2015 involviert er auch junge Menschen aus der Gypsy Gemeinde seiner Heimat. Es geht ihm dabei nicht nur darum Fußball zu spielen, sondern auch andere Fähigkeiten zu entwickeln, wie zum Beispiel Teamgeist, Motivation und Disziplin um in ein normales Leben mit einem Job und auch einer Familie zurückzufinden.

We use football to develope these skills in the job and to be successful in life to create some kind of family for them, because they never had one.“ – Viktor Kirkov

Für die Teams wurden auch externe Teamguides eingeladen, wie zum Beispiel Beatrice Thirkettle aus Großbritannien, die das österreichische Team unterstützte. Dabei geht es mehr um Aktivitäten außerhalb des Turniers um die Gemeinschaft der TeilnehmerInnen zu fördern und zu stärken, dazu zählt auch Teambuilding und den Teamgeist aufleben zu lassen. Kommunikation steht für sie an erster Stelle, nicht nur am Spielfeld, sondern auch in der Freizeit.

„Ich rede auch oft mit anderen Trainern und Managern der anderen Teams und ich höre wie sie Fußball als Integrationsmethode benutzen.“ – Beatrice Thirkettle

Ein Spieler des österreichischen Teams erzählte uns auch, wie er durch Fußball in der Wiener Gruft, einer Notschlafstelle der Caritas, aus einer Ausnahmesituation zurück ins Leben fand, seinem Kindheitstraum Tormann zu sein endlich nachgehen konnte und sich durch Fußball auf neue Ziele fokussierte. Mittlerweile ist er Teamkapitän und spielt seit mehreren Jahren für das österreichische Team.

Die Stimmung am Grazer Hauptplatz war sehr emotional, da nicht nur das Publikum, sondern auch die anderen Teams und natürlich die Coaches mitfieberten. Bei den Herren konnten die Österreicher siegen und bei den Damen konnte das Team aus Wales den Sieg holen. Ich persönlich kann nur sagen, dass mich die Motivation jeder und jedes Einzelnen am Spielfeld begeisterte, denn nicht nur Schweiß, sondern auch Tränen sind während der Spiele geflossen.


Interview mit Beatrice Thirkettle

Was hat dir die Erfahrung hier als Teamguide gebracht?

Beatrice: Für mich ist die Geschichte der Spielerinnen und was sie in ihrem Leben erfahren haben am wichtigsten, ich würde sagen, dass ich jetzt auch viel mehr Mitgefühl habe. Ich rede auch viel mit Trainern und Managern der anderen Teams und höre wie sie Fußball als eine Integrationsmethode benutzen und wie sie sich für andere Leute am Rand der Gesellschaft engagieren. Jetzt kann ich zurück nach Großbritannien fahren und sagen, wie wir das in Großbritannien für Flüchtlinge machen können.

Als was arbeitest du in Großbritannien?

Beatrice: Ich arbeite als Football Developement Officer, es geht dabei um die Entwicklung und die Verbesserung von Fußball und geht nicht nur um junge Leute, sondern auch um ältere Leute und Menschen mit Behinderungen.

Wie läuft deine Arbeit mit dem Team ab und was machst du mit ihnen?

Beatrice: Ich mache mit ihnen zusammen die ganze Woche lang viele Aktivitäten, wir waren am Schöckl und haben auch viel Teambuilding zusammen gemacht. Meine Rolle ist es, den Teamgeist aufleben zu lassen und es ist sehr wichtig für mich, dass die Mädels viel miteinander kommunizieren, nicht nur am Spielfeld, sondern auch im Hotel und in den Workshops. Die Trainerin und ich versuchen, die Kommunikation und Kooperation zu verbessern, damit sie nicht nur am Spielfeld gut miteinander spielen können, sondern auch außerhalb des Turniers.


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