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Der 12 Stunden Arbeitstag – Arbeitszeit- flexibilisierung oder gegen unsere Menschenrechte?


Schon länger wurde darüber diskutiert, jetzt könnte er bald real werden: Der 12 Stunden Arbeitstag. Doch was sind die Nachteile des 12 Stunden Arbeitstages und gibt es auch Vorteile? Falls ja, welche? Darüber habe ich mich genauer informiert.

Fakten

Schon im Winter kündigten Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache an, die gesetzliche Höchstarbeitszeit von 10 Stunden täglich und 50 Stunden wöchentlich anzuheben: auf 12 Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich.  Zwar ist es schon jetzt möglich, zwölf Stunden am Tag zu arbeiten, allerdings nur bei erhöhtem Arbeitsbedarf. Das trifft dann zu, wenn Betriebe in einer Krisensituation stecken, bei Auftragsspitzen, Wachpersonal oder Schichtarbeiter*Innen. Die maximale Dauer ist begrenzt und das Arbeitsinspektorat muss über diese Vereinbarungen informiert werden. Diese Bedingungen sollen jetzt allerdings außer Acht gelassen werden, der 12 Stunden Arbeitstag wird vermutlich bald für alle Arbeiter*Innen möglich gemacht. Bis jetzt galten kollektivvertragliche Regelungen oder die Zustimmung der Gewerkschaft, damit diese zustimmt wurden Gegenleistungen wie zum Beispiel mehr dienstfreie Wochenenden für Schichtarbeiter*Innen gefordert.  Nun sollen Vereinbarungen zum 12 Stunden-Tag nur mehr auf betrieblicher Ebene oder mit jedem Arbeitnehmer und jeder Arbeitnehmerin einzeln ausgehandelt werden. Somit gibt es weder Verhandlungen noch Gegenleistungen. Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ohne Betriebsrat werden in der Praxis wohl überhaupt keine Gegenforderungen durchsetzen können, die unterschiedlichen Regelungen machen das unüberschaubar.

Derzeit gilt: Wenn regelmäßig an nur vier Tagen pro Woche gearbeitet wird, kann per Betriebsvereinbarung eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit auf 12 Stunden vereinbart werden. Da 12 Stunden arbeiten am Stück als besondere Belastung gilt, ist dies an die 4-Tage-Woche als Ausgleich dafür geknüpft. Wird die tägliche Höchstarbeitszeit aber generell und ohne Einschränkungen ausgeweitet, fallen auch verpflichtende Ausgleichsmaßnahmen wie die 4-Tage-Woche weg.

Vor- und Nachteile

Was bedeutet das für unsere Gesundheit? Studien zeigen, dass das lange Arbeiten drastische Auswirkungen auf unsere körperliche und seelische Gesundheit hat. Burn-Out steigt in Folge regelmäßiger Überstunden rapide an, wie erst im Sommer eine Studie im Auftrag des Sozialministeriums gezeigt hat. Nach der 10. Arbeitsstunde geschehen die meisten Arbeitsunfälle, bei einer Wochenstundenanzahl von 55 Stunden steigt das Risiko für einen Herzinfarkt um 13%, das Risiko für einen Schlaganfall sogar um 33 %. Zudem ist die Gefahr, nach zwölf Stunden auf dem Nachhauseweg einen Unfall zu erleiden, doppelt so hoch wie nach acht Stunden. Zu beachten sind natürlich auch die sozialen Folgen. Wer die Hälfte des Tages arbeitet und acht Stunden schläft hat keine Zeit mehr für soziale Kontakte, ganz zu schweigen von den Folgen, die das für Mütter bzw. Eltern mit sich bringt. Es ist kaum möglich, eine zwölf Stunden Betreuung für ein Kind zu finden. Auch die Leistungsfähigkeit sinkt bei längeren Arbeitszeiten rapide, wie internationale Studien belegen. Personen, die mehr als sechzig Wochenstunden arbeiten, schneiden in Leistungstests nicht nur schlechter ab als Personen mit normalen Arbeitszeiten, sondern sogar schlechter als Personen, die überhaupt keiner Beschäftigung nachgehen.

Im 7. Artikel des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, den natürlich auch Österreich ratifiziert hat, ist verankert, dass jede und jeder das Recht auf gesunde und sichere Arbeitsbedingungen hat. Schaut man sich allerdings die oben genannten Risiken und Folgen an, kann man wohl kaum mehr von gerechten Arbeitsbedingungen sprechen. Das Recht auf Arbeit ist zwar ein Menschenrecht (Art. 23, AEMR), ebenso wie das Recht auf Freizeit und Erholung (Art. 24, AEMR). Mit dem zwölf Stunden Arbeitstag widersprechen sich diese zwei Artikel allerdings definitiv. Wenn man die Hälfte des Tages arbeitet, bleibt klarerweise keine Zeit mehr für Erholung und noch weniger für Freizeit. Es ist schon schwer genug, die Empfohlenen neun Stunden Schlaf zu erreichen.

Welche Vorteile das mit sich bringt, muss jede*r für sich entscheiden. Klar ist, dass wir uns gegen jegliche Art der Ausbeutung einsetzen müssen und das Ganze mit einem scharfen Blick beobachten sollten.


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