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WM 2018: Mütterchen und die Menschenrechte


„Bundesligaspiele sind keine russischen Wahlen, bei denen immer gewonnen wird.“ Dieses Zitat des ehemaligen ungarischen Nationalspielers Gyula Lorant gewinnt diesen Sommer wieder einiges an Aktualität. Wider Erwarten erhielt Russland vor acht Jahren den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft, die am 14. Juni dieses Jahres eröffnet wird, und das trotz der bekanntermaßen prekären Menschenrechtslage. Aber was wird denn nun eigentlich vorgeworfen? Und passen Fußball und Menschenrechte überhaupt zusammen?

Die alle vier Jahre stattfindende FIFA Fußball WM ist ein Großereignis weltweiten Formats, mit über 3 Milliarden ZuschauerInnen rund um den Globus verteilt im Jahr 2014 – und das trotz der unterschiedlichen Zeitzonen. Wer denkt, eine Vorbereitung auf dieses sportliche Spektakel bestehe nur aus Laufen, Passen oder Schießen, der liegt falsch. Die dänische Nationalmannschaft bekam in ihrem Trainingslager in  Helsingør eine Schulung zu den politischen Hintergründen im Gastgeberland. “Wir wollen die Fußballfamilie einen, jeder Fan wird unsere traditionelle Gastfreundschaft und Offenheit kennenlernen, denn wir beherrschen es in Russland meisterhaft, Gäste zu empfangen.” Wladimir Putins Worte bei der Auslosung 2016 passen aber nicht so ganz zum aktuellen Russland-Jahresbericht von Amnesty International. Die Vorwürfe wiegen schwer: Unter anderem Einschränkung der Meinungsfreiheit, Einschüchterungsversuche von MenschenrechtsverteidigerInnen, Einschränkung kultureller Rechte, Folter, Misshandlungen, Strafbarkeit häuslicher Gewalt nur noch in bestimmten Fällen, Diskriminierung und Gewalt.

Fußball und Politik

Muss man die Spieler in die Pflicht nehmen? Angesichts historischer Peinlichkeiten und jüngster Aufreger wäre es vermutlich besser, politische Statements anderen zu überlassen. Eine brisante Privatmeinung wird während der Länderspielzeit öffentlich oft nicht mehr als solche wahrgenommen und kann zum explosiven politischen Faktor werden. Die Funktionäre der Nationalmannschaften bewegen sich ebenfalls auf einem spiegelglatten Parkett. Eine Stellungnahme eines Funktionärs repräsentiert schnell die ganze Nation. Zuständig für diesen heiklen Bereich muss eigentlich die FIFA sein. Der Fußballverband kann durch Unabhängigkeit Standards sichern, die den universell gültigen Menschenrechten entsprechen und die internationale Staatengemeinschaft enger verknüpfen. Ein wichtiger erster Schritt im direkten Einflussbereich wäre zum Beispiel, zukünftige Austragungsstätten für derartige Großereignisse vorher durch unabhängige Organisationen auf die Einhaltung der Menschenrechte zu überprüfen. Weiters sollten beim Stadionbau die Arbeitsverhältnisse überwacht werden, menschliches Blut als Preis für imposante Bauwerke sollte der Geschichte angehören. Die Kampagnen für Respekt und gegen Rassismus sind zwar respektable Projekte, aber hier könnte man noch viel weiter gehen und die Ideen in allen Bereichen sukzessive durchsetzen. Fußball ist mehr als nur ein Sport und je eher das realisiert wird, umso schneller kann er die Welt zu einem besseren Ort machen.

Das Positive an der fragwürdigen Entscheidung, die WM in Russland auszutragen? Der mediale Fokus kann von JournalistInnen als Gelegenheit wahrgenommen werden, um bereits vorhandene Missstände anzusprechen. Wenn dabei ein Großereignis als Plattform genutzt wird und die ganze Welt zuschaut, wird das betroffene Land zum Dialog gezwungen und nicht in die diplomatische Isolation verbannt. Das macht den Fußball effektiver als Wirtschaftssanktionen. Wachsamkeit und Objektivität sind dabei die Grundpfeiler, die uns leiten sollten.


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