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„Die anderen Muslime“: Tscherkessen und Drusen – zwei Minderheiten in Israel


Woran denkt man zuerst, wenn man von Israel spricht? An den Mittelpunkt der drei großen monotheistischen Religionen? An den Konflikt um einen Landstrich, der auch nach so vielen Jahren noch immer keine Resolution hat? Oder man denkt an die beiden Hauptgruppen, die sich in diesem andauernden Konflikt seit Jahren gegenseitig die Liebsten nehmen.

Jedoch vergisst man dabei schnell, dass es noch viele andere ethnische Gruppen in diesem unendlich spannenden Land gibt, die vielen gänzlich unbekannt sind und die man in diesem Teil der Erde nicht so vermuten würde, bis man sich ein klein wenig näher damit beschäftigt.

Da gibt es zum Beispiel die Tscherkessen, die sich seit der Vertreibung aus ihrem Heimatland in ihrer eigenen Diaspora befinden. Der Name ist eigentlich eine Fremdbezeichnung, sie selbst nennen sich Adyge oder Adygei. Sie sind seit dem 14. Jahrhundert in schriftlichen Quellen bekannt und lebten bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1864 im gesamten Nordkaukasus. Nachdem sie von dort von den Russen vertrieben worden waren, flohen sie dann in die Türkei, wo sie aufgrund ihrer kämpferischen Natur als Soldaten in die Grenzländer des osmanischen Reiches geschickt wurden. Nach dem Zerfall des osmanischen Reiches blieben sie als Gemeinschaft in den Ländern, wo sie stationiert waren. Ein Teil dieser Gemeinschaft hat eine neue Heimat in Israel gefunden. Heute sind sie als israelische StaatsbürgerInnen voll anerkannt und leisten ihren Militärdienst. Ihre Religionsgeschichte ist sehr abwechslungsreich: Sie wurden ab dem 5. Jahrhundert von verschiedenen christlichen Konfessionen bekehrt, verehrten aber weiterhin verschiedene Naturgeister, diese Form des Animismus ist bis heute erkennbar. Ab dem 15. Jahrhundert wurden sie nach und nach zum Islam bekehrt, sodass heute die meisten Tscherkessen Muslime sind, wobei jedoch erwähnt werden muss, dass die nationale Identität als Tscherkessen eine weit größere Bedeutung für sie hat, als die Zugehörigkeit zum Islam.

Ein anderes Beispiel für eine Minderheit, die in Israel lebt, ist die Gemeinschaft der Drusen. Diese ist eine religiöse Gruppierung, die seit ihrer Entstehung im 11. Jh. im Nahen Osten ansässig ist. Ursprünglich vom Islam abgespalten, sehen sich die Drusen als eine ganz eigenständige Gemeinschaft und nicht als Muslime. Ihr Begründer war ein schiitischer Missionar aus dem Ostiran, Hamza ibn Ali ibn Ahmad, der Anfang des 11. Jahrhunderts in Ägypten und Syrien tätig war. Er lehrte eine sehr eigene Deutung des Islam, die auch neuplatonische Elemente miteinschloss – so glauben die Drusen etwa an die Reinkarnation. Hamza behauptete, der regierende Kalif Al-Hakim sei Gott und mit ihm breche eine neue Ära an. Schon der nächste Kalif verbot die Lehre der Drusen und ließ sie verfolgen, was zur Folge hatte, dass diese sich in entlegene Gebiete zurückzogen. Im Libanon wurde im frühen 16. Jahrhundert ein Drusen-Emirat gegründet, das bis 1697 bestand. In den 1920er-Jahren richtete die französische Mandatsverwaltung im Hauran-Gebiet im Südwesten Syriens einen autonomen Drusenstaat ein. Drusen waren am Aufstand gegen die französische Kolonialmacht 1925-27 beteiligt, was damit endete, dass die Franzosen an ihnen und den verbündeten Kurden ein Massaker verübten. Heute gibt es größere Drusen-Gemeinden im Libanon und in Syrien, wo sie auch in der regierenden Baath-Partei prominent vertreten waren, allerdings gegenüber den Alawiten an Einfluss verloren. Für die sunnitischen Muslime sind sie Häretiker und wurden gerade auch vom IS und anderen Gruppen in Syrien stark verfolgt.

Auch in Israel gibt es eine drusische Minderheit, die ich kennengelernt habe. Sie haben sich auch freiwillig entschieden, den Militärdienst in Israel leisten zu müssen und sind vor allem in der Polizei stark vertreten.

Wie man sieht, gibt es in Israel viel mehr Muslime als nur Palästinenser, und keineswegs alle sind im Konflikt mit dem Staat.

 

Foto (adapted in colour and size, on homepage as well): (c) Paul Arps, published under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) license


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