Kenne Deine Rechte

Wann Vorzüge zur Gleichheit beitragen


Wie heißt es denn so schön? „Die Welt ist nicht schwarz und weiß“, eine Weisheit, die uns im Alltag begleitet. Das gilt vor allem für die letzten paar Tage, die von Diskussionen und Demonstrationen zu einem bestimmten Thema geprägt waren: Dem Rassismus.

Während hier die Ziele aber Integration und die gleiche Behandlung aller Menschen sind, lautet das Motto eines Essensstandes in New Orleans ganz anders. Hier werden nämlich als Teil eines sozialen Experiments dieselben nigerianischen Speisen verschiedenen KäuferInnen zu verschiedenen Preisen angeboten. Dabei gilt, dass der Preis für weiße Menschen mehr als doppelt so hoch ist, wie für Personen anderer ethnischer Gruppen.

Die Kommentare, die man zu diesem Experiment auf sozialen Medien findet, sagen viel darüber aus, wie solche Aktionen aktuell betrachtet werden: Es soll ein Beispiel von „reverse racism“ sein, übersetzt „umgekehrter Rassismus“. Diese Bezeichnung entstand als Reaktion auf Versuche, die Welt gezielt auf Ungerechtigkeit gegenüber schwarzen Menschen in Amerika aufmerksam zu machen, wie es zum Beispiel die Bewegung „Black Lives Matter“ heutzutage macht. Dies soll aber rassistisch sein, weil sie der einen Gruppe wiederum mehr Achtung schenken wollen als der anderen.

Schwierigkeiten bei Schwarzweißaufteilung

Einerseits ergibt es Sinn: Wenn Favorisierung heller Haut gegenüber dunkler die falsche Philosophie ist, warum sollte dann das Gegenteil besser sein? Der zweite Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagt ja, dass aufgrund der “Rasse” kein Unterschied bei den jeweiligen Rechten einer Person gemacht werden darf. Hier kann aber nicht so schwarzweiß gedacht werden. In idealen Situationen, in denen alle Menschen gleichberechtigt sind und jeder Versuch, jemandem zusätzliche Hilfe anzubieten, einen ungerechten Nachteil für den anderen bedeuten würde, wären Vorzüge für bestimmte Gruppen tatsächlich unpassend.

Man muss allerdings nur einen Blick auf Statistiken werfen, um zu sehen, dass das hier nicht der Fall ist. Wenn Menschen mit dunklerer Hautfarbe geringere Chancen haben, eine Ausbildung, eine Arbeitsstelle oder ein Haus zu bekommen, so verschafft man ihnen durch Vorzüge keinen Vorteil, sondern die Möglichkeit zur Gleichberechtigung.

Der nigerianische Stand hatte die Absicht, diesen Unterschied zu illustrieren: Statistisch gesehen verdienen in New Orleans weiße Menschen mehr als der Rest der Bevölkerung, somit verschafft man ihnen keinen Nachteil, wenn man ihnen Essen zu höheren Preisen anbietet. Letztendlich mussten sie doch nicht mehr zahlen, da das Ganze natürlich ein soziales Experiment war, doch es dient zur deutlichen Veranschaulichung des Alltags einer dunkelhäutigen Person und der vielen Orte, an denen man benachteiligt ist, vom Supermarkt bis zum Häusermarkt.

Was kann nun dagegen unternommen werden? Jetzt sind die Stimmen der Massen gefragt, denn nur, wenn viele ein Bewusstsein für dieses Thema entwickeln und sich gegen Benachteiligung einsetzen, kann die Chance auf Gleichberechtigung entstehen. Es können hier beispielsweise Maßnahmen wie Affirmative Action durchgesetzt werden. Hierbei werden unter anderem gezielte Stipendien für Universitäten und Quotenregelungen an Arbeitsplätzen eingesetzt, damit die systematische Diskriminierung diverser bisher benachteiligter Gruppen von einer Gewohnheit zur Seltenheit wird.  Solche Maßnahmen mögen manchen zwar unklar oder sogar kontraproduktiv erscheinen, sie können allerdings für mehr Gleichberechtigung in der Welt sorgen. Diese ist nämlich bekanntlich nicht schwarzweiß, daher ist jeder Versuch, sie so zu sortieren, letztendlich zwecklos.

Foto (in abgewandelter Form als Artikelbild und auf Startseite): (c) Fibonacci Blue from Minnesota, USA


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