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“Fliegendes Spaghettimonster, das du bist im Himmel…”


Als Gott ein fliegendes Spaghettimonster? Klingt irgendwie nach dem Scherz eines Kindergartenkindes. Und eine solche “Religion” soll jetzt sogar in Österreich öffentlich anerkannt werden? Aber wieso ist diese Religion überhaupt jemals entstanden und wer kam bitte auf die Idee, sein Mittagessen anbeten zu wollen?

Wirklich konkrete und genaue Informationen über die Religion des fliegenden Spaghettimonsters, den sogenannten Pastafarianismus, zu finden, ist kein sonderlich leichtes Unterfangen. Dinge, die auf der einen Seite so dargestellt werden, werden auf einer anderen Seite ganz anders erklärt. Prinzipiell ist der Pastafarianismus eine Parodiereligion, die von Bobby Henderson gegründet wurde. Henderson ist ein in Amerika lebender Autor und Physiker, welcher 2005 ein Buch über das fliegende Spaghettimonster veröffentlichte (“The Gospel of the Flying Spaghetti Monster“). Grund für das Buch ist der Kreationismus. Kreationisten, wie sich die AnhängerInnen des Kreationismus nennen, glauben, dass das Universum, das Leben und der Mensch durch einen Schöpfergott entstanden sind, verweigern also vor allem die Evolutionstheorie.  Durch die Trennung zwischen Staat und Kirche gab es an Schulen in den Vereinigten Staate keinen Religionsunterricht. Evangelikale Gruppe wollten deswegen, dass der Kreationismus an Schulen im Biologieunterricht, ebenso wie die Evolutionstheorie, unterrichtet wird, was sich schlussendlich auch vielerorts durchsetzte. Daraufhin haben die Nationale Akademie der Wissenschaften und der Nationale Verband der Lehrer von Naturwissenschaften die Verwendung ihres Materials zur Evolutionstheorie in Schulbüchern verboten. Zusätzlich gründete Bobby Henderson den Pastafarianismus. Mit dieser wissenschaftlichen Religion forderte er dasselbe wie die Kreationisten, nämlich, dass seine Glaubenslehre ebenso im Unterricht vermittelt werden sollte. Alle Gegenargumente gegen Hendersons Religion richteten sich also ebenso gegen den Kreationismus.

“Wir verstehen uns als Weltanschauungsgemeinschaft und nutzen das Pastafaritum als Mittel. Dabei sehen wir diese satirisch-kritische Religion als völlig gleichberechtigt mit anderen Religionen. Unser Ziel ist die Förderung wissenschaftlicher Weltanschauungen, unsere Religion ein Mittel, um dies erreichen”, schreibt Bobby Henderson in seinem Buch.

Mittlerweile gibt es geschätzt über 30 Millionen AnhängerInnen dieser Religion. Da der Pastafarianismus eine Religionsparodie ist, ist ihr eigentliches Ziel ja nicht, ernsthafter und weniger sarkastisch zu werden.  Aber was genau ist jetzt eigentlich der Unterschied zu anderen Religionen?

Freilich ist es eine Parodiereligion, aber gibt es nicht in jeder Religion einen Glauben an ein oder mehrere Wesen, dessen/deren Existenz nicht bewiesen werden kann? Und bis jetzt konnte ja keiner beweisen, dass es das heilige, fliegende Spaghettimonster nicht gibt. Ebenso wie andere Religionen hat diese auch Festtage, Bräuche, Gebote und Dogmen (“Das einzige Dogma, das unser Glaube an das fliegende Spaghettimonster gebietet, ist die Ablehnung sämtlicher Dogmen”). Also eigentlich ja eine ganz normale Religion. Was also stört stark religiöse Menschen und andere Kirchen daran?

Wahrscheinlich ist es einfach die Tatsache, dass alle Angehörigen offen dazu stehen, dass ihre Religion nur eine Parodie ist. Auch sind die Gebote und Glaubenssätze sehr ironisch und sarkastisch formuliert, was bei einer Religionsparodie auch nicht wirklich verwunderlich ist. Aber reicht das alleine schon als Grund, die Religion nicht öffentlich anzuerkennen? Das Endergebnis dieser Diskussion wird allerdings ziemlich wahrscheinlich noch nicht so bald bekannt sein – immerhin gibt es diese Auseinandersetzung schon seit 2014.

 

Foto (in abgewandelter Form als Artikelbild, Vorschaubild, auf Startseite): Wikimedia Commons, (c) G.dallorto


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