Kenne Deine Rechte

Remember, Remember, the Fifth of November


Versteckte Fässer voll Schießpulver, Tunnelgräber unter falschen Namen und ein Plan, das Parlament in die Luft zu sprengen. Der Jahrestag dieses misslungenen Attentats auf den protestantischen König, auch bekannt als Guy Fawkes Night, wird in England am kommenden Montag wieder einmal mit Feuerwerk und Masken gefeiert. Ja, Schießpulverfässer und geheime Tunnel mögen zwar vor vierhundert Jahren fast zur größten politischen Tragödie der britischen Geschichte geführt haben, was hat das aber mit uns zu tun?

Die persönliche Geschichte des Guy Fawkes ist eine, die den Spalt zwischen zwei verschiedenen Gruppen thematisiert: der damals kürzlich dominant gewordenen evangelischen und der entmachteten katholischen Kirche. Oberflächlich ging es bei dieser Geschichte um die Gleichsetzung zweier Glaubensgruppen, für die Idealisten in den beiden Gruppen sah es auch genau so aus. Für die jeweiligen Gruppen ging es tatsächlich jedoch nur um Macht. Es ging darum, den protestantischen König durch eine katholische Königin zu ersetzen.

Für die Gleichheit oder gegen sie?

Wenn man davon hört, muss man allmählich auch an die Frage denken: Wo zieht man denn beim Kampf um die Meinungs- und Religionsfreiheit die Grenze zwischen dem Kampf um Gleichberechtigung und dem Kampf um Dominanz? Kann man das überhaupt? Überraschend oft wird nämlich das eine unabsichtlich oder durch Perspektivenwechsel zum anderen, plötzlich kämpft man nicht mehr für sich selbst, sondern gegen die anderen. Als Elternteil meint man auch immer, man würde die Meinungsfreiheit der Kinder fördern, wenn man ihnen bei der Wahl des Studiengangs die Entscheidung ganz überlässt. Ob das Kind aber überhaupt studieren will, fragt man gar nicht, das Kind wird schließlich nicht wissen, was besser für ihn oder sie ist.

Um auf die Religion zurückzukommen: Will man jetzt beispielsweise das Burkaverbot einführen, damit man Frauen aus konservativen muslimischen Familien die Chance auf die gleichen Rechte wie allen anderen gibt, oder damit man einen Teil der muslimischen Religion verbietet? Auf der Kehrseite: Will man das Burkaverbot rückgängig machen, weil man denkt, dass den Frauen die Wahl überlassen werden soll, ob sie nun die Burka anziehen oder nicht, oder weil man denkt, dass alle Frauen sie tragen sollten, ob sie’s wollen oder nicht?

Bevor man eine Seite vertreten will, muss man sich daher immer die Frage stellen: Will man mehr für die eigene Seite oder weniger für alle anderen? Will man einen tyrannischen Herrscher loswerden oder seinen eigenen an die Macht setzen? Will man eine vegetarische Option oder will man Fleisch komplett vom Menü entfernen lassen? Denn daran erkennt man, ob man sich für die eigenen Rechte oder für die eigene Machtübernahme einsetzt.

 

Foto: (c) Flavia Brandi, licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license; modified for homepage and article page


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