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Trend von heute, Müll von morgen


“It makes me happy that, by buying my new favourite jumper, I could improve someone’s life.” Claire, 21, über TRAID.

Täglich: 3,5 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025: 6 Millionen Tonnen. Zahlen wie diese veranschaulichen die Mengen an Abfall, die auf unserem Planeten ohne Unterlass angehäuft werden. Dabei macht unsere “Wegwerfgesellschaft” auch vor Kleidung, selbst neugekaufter, nicht Halt. Laut der Umweltorganisation Greenpeace landen in Deutschland jährlich 1,5 Milliarden Kleidungsstücke im Müll. 13 Milliarden sind es in den USA, nur 15% der Kleidungsstücke werden recycelt. Der Grund? Ein Geschäftsmodell, genannt “Fast Fashion”, welches dafür sorgt, dass das momentan noch aktuelle Blumenmuster und die all-pink Stimmung bald der Vergangenheit angehören.

Die Industrie boomt

Bis zu 24 Kollektionen bieten Global Players wie Zara und H&M jährlich an. Was sie alle gemein haben: Sie bestehen aus billigen Kopien von Designerware, welche nur Tage zuvor auf den Laufstegen von New York, Paris oder Mailand präsentiert wurde. Passend heißt es: “Der Trend von heute ist der Müll von morgen” (Greenpeace).

2014 wurden erstmals mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert, was einem Umsatz von 1,8 Billionen US Dollar entspricht. Zusätzlich unterstützt wird das Wegwerfen von Kleidung durch fraglich billige Preise. Die Kosten neuer Kleidungsstücke weisen trotz gestiegenen Konsums von 2000 bis 2015 nur einen Anstieg von 10% auf – eine Schneiderei kommt vergleichsweise viel zu teuer. Fashion-Liebhaber/innen heißen dies willkommen und argumentieren, das reiche Angebot an erschwinglichen Styles gebe ihnen eine Möglichkeit der Selbstdarstellung. Fakt ist: Die zu engen Jeans oder uncoolen Stiefel, welche wir leichtfertig entsorgen, haben bereits ihre Spuren hinterlassen. Umweltprobleme, Krankheiten, ausgelöst durch Pestizide, Bleichmittel und andere Chemikalien und fortschreitende Verarmung sind die Folgen der Verdoppelung der Kleidungsproduktion seit dem Jahr 2000.

TRAID – Wenn Shoppen Leben rettet

Eines der zahlreichen Projekte, welche diesem Trend entgegenwirken sollen, ist TRAID – Textile Recycling for Aid and International Development. Seit 1999 arbeitet TRAID als britische Wohltätigkeitsorganisation gegen weltweite Armut. 11.000 Kleidungsstücke werden wöchentlich gewaschen, sortiert, mit einem passenden Preis versehen und in die elf Second-Hand-Stores in London transportiert. 3000 Tonnen an Kleidung gelangen so jährlich anstatt auf Müllhalden zu neuen Besitzer/innen. Der Erfolg dieser verhältnismäßig doch kleinen Organisation lässt sich sehen: Mehr als 1.505.802 Pfund konnten bereits an Projekte gesendet werden, welche die sozialen wie auch umweltbezogenen Umstände der Arbeiter/innen in der Textilindustrie verbessern.

David, 30, Store Manager von TRAID Hammersmith in London, sagt im Interview: “We are not talking about only one project here, we have a few different ones. This year’s main focus lies on supporting cotton farmers in Ethiopia to reduce and eliminate pesticides which lead to illnesses.” In der Vergangenheit waren Arbeiter/innen gezwungen, teure Medikamente einzunehmen und Schulden zu machen – das häufige Ergebnis: Verzweiflung und Selbstmord.

“We are also trying to give factory workers and their children a better life, firstly by sending them funds and secondly, through educational programmes. We help children receive birth certificates, open nurseries – we do a lot. Since I feel passionate about fashion too this is the perfect job for me.”

Das Angebot in den Stores zeichnet sich durch eine Mischung aus Highstreet und Designer-Marken aus, wobei ein Großteil der Kleidungsstücke von hervorragender Qualität ist – wenn nicht sogar völlig neu. Von Topshop-Blusen (£15) über Reiss-Anzüge (£25) bis hin zu Cheap Monkey-Pullovern (£8) findet man alles. Seven For Mankind-Jeans können im Abverkauf um £2 das Stück erworben werden.

TRAID erfreut sich großer Beliebtheit. “We have a broad variety of customers, young, middle aged, elderly – it mainly depends on the area. People in Hammersmith are more conservative. If you go to our Peckham store you will find a lot of young, trendy and artsy people browsing for items”, erklärt David.

Die letzte Frage: Wie kann man helfen?

“You can support TRAID by donating money, donating clothes and most importantly, shopping at Second Hand Stores all over the world. Right now, 85% of fast fashion ends up in landfills – this has to change. Spread the word.”

Mehr Informationen zu TRAID-Projekten findet ihr auf der Website der Organisation.


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