Kenne Deine Rechte

Ein Tag mit blutiger Geschichte


Männer, Frauen, Kinder: Am 21. März 1960 gehen sie alle auf die Straße, um friedlich für ihre Rechte zu demonstrieren. Keine/r von ihnen rechnet damit, dass am Ende dieses Tages 69 von ihnen tot sein werden. Und dass dieser 21. März als Internationaler Tag gegen Rassismus in die Geschichte eingehen wird.

Es ist der 21. März 1960. Gegen 10 Uhr versammeln sich ungefähr 7.000 Menschen in Sharpeville, einem Township 50 Kilometer südlich der südafrikanischen Hauptstadt Johannesburg. Sie wollen gegen die Passgesetze* der Regierung demonstrieren, im Zuge derer bereits rund drei Millionen AfrikanerInnen zwangsumgesiedelt wurden, weil sie in „für Weiße vorgesehenen“ Gebieten wohnten, wie es im System der Apartheid genannt wird. Die friedlich demonstrierende Menge bewegt sich auf die Polizeistation von Sharpeville zu, mit dem Ziel, sich verhaften zu lassen. Vereinzelt wird das Polizeirevier mit Steinen beworfen, Kampfflugzeuge der südafrikanischen Luftwaffe fliegen niedrig über die Köpfe der Demonstrierenden hinweg, Tränengas wird eingesetzt, um sie in Schach zu halten. Nach etwas mehr als drei Stunden eskaliert die Situation: Ein Polizeioffizier gibt die Schießerlaubnis. Mit Maschinenpistolen schießt die Polizei in die Menschenmenge, 69 Personen, darunter auch zehn Kinder, sterben. Etliche Menschen werden schwer verletzt.

 

In unserem Geschichteunterricht heute meist nur kurz erwähnt, spielte die Apartheid in der Geschichte Südafrikas eine wichtige Rolle: Sie bezeichnet die geschichtliche Epoche der Rassentrennung und Diskriminierung sowie des Ausschließens aller Bevölkerungsgruppen, die nicht europäischer Herkunft waren. Streng gesehen spricht man von Apartheid erst ab den 1940ern, da sie von dieser Zeit bis in die 1980er Jahre ihre Hochphase erlebte. Ihren Beginn hatte sie aber schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein weiterer wichtiger Begriff in dieser Thematik ist „Rassismus“. Er stellt Unterschiede zwischen Gruppen von Menschen fest und schreibt diesen positive oder negative Eigenschaften aufgrund von gemeinsamen Merkmalen zu – ob diese nun tatsächlich vorliegen mögen oder nicht. Zudem rechtfertigt er oft die politische oder soziale Ausgrenzung dieser Gruppen.

Multikulturelle Metropolen wie New York lassen den Begriff Rassismus und die damit einhergehende Problematik der Diskriminierung inzwischen oft veraltet und inaktuell erscheinen, da dort Menschen jeder Hautfarbe, Religion und Kultur großteils in Einklang zusammenleben. Doch speziell in Zeiten der Flüchtlingskrise sind beide Aspekte aktuell wie lange nicht. „Die Syrer“, „die Schwarzen“ oder „die Afghanen“ sind Bezeichnungen, die ein großer Teil der Menschen täglich verwendet. Speziell die Sozialen Medien bieten Menschen mit rassistischen Vorurteilen eine Plattform für unüberlegte Äußerungen und verletzende bis aggressive Kommentare.

Sechs Jahre nach dem Massaker von Sharpeville, das so viele Menschen das Leben kostete, riefen die Vereinten Nationen den 21. März zum Gedenktag aus, den sie den „Internationalen Tag der Überwindung der Rassendiskriminierung“ nannten. Elf Jahre darauf, im Jahr 1979, wurden alle Mitgliedsstaaten der UN dazu eingeladen, anlässlich dieses Tages eine alljährliche Aktionswoche zum Gedenken zu organisieren, was bis heute weltweit passiert. Vor 20 Jahren unterzeichnete Nelson Mandela als damaliger Präsident Südafrikas am 21. März die neue Südafrikanische Verfassung, in der Apartheid und Rassentrennung endgültig keinen Platz mehr fanden. Bis heute wird dieser Tag in Südafrika als „South African Human Rights Day“ (Südafrikanischer Tag der Menschenrechte) begangen.


*Die Passgesetze der südafrikanischen Regierung sahen die strenge räumliche Trennung der schwarzen (und indischen) und der weißen Bevölkerung vor. Die schwarzen SüdafrikanerInnen wurden in sogenannte „Townships“ außerhalb der Siedlungsgebiete der weißen Bevölkerung umgesiedelt, sie durften sich ausschließlich mit Pässen in den Weißen vorbehaltenen Gebieten aufhalten.


 

-Photo by PHParsons – Own work, CC BY-SA 3.0


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