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Daten: Das Elixier des 21. Jahrhunderts


Innovation durch Digitalität. Wissen durch Speicherung. Mit dem Fortschritt alte Grenzen überschreiten. Doch wie weit sind wir bereit zu gehen? Wie viel sind uns unsere Daten wert?

Das Schlagwort ist „Big Data“. Die Konsequenz könnte ein gläserner Mensch sein, sagen KritikerInnen. BefürworterInnen sehen darin hingegen die Zukunft unseres Alltags, der durch das „Internet of Things“ bestimmt werden wird. Ein Projekt, das beim European Youth Award (EYA) in Graz vergangene Woche präsentiert wurde, kann damit sogar Leben retten. Doch fangen wir von vorne an.

Was ist eigentlich…

Unter Big Data versteht man Datenmengen, die zu groß bzw. zu komplex sind, um sie mit klassischen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten. Im Jahre 2010 hat das britische Wochenmagazin „The Economist“ dazu einen Bericht mit dem Titel „Data, Data Everywhere“ veröffentlicht. Darin beschreibt Autor Kenneth Cukier: „Auf der Welt gibt es eine unvorstellbar große Menge an digitalen Informationen, und sie wächst immer schneller. Die Auswirkungen sind überall sichtbar, vom Geschäftsleben bis zur Wissenschaft, von Regierungsgeschäften bis zur Kunst.“ Die Quellen der Daten können dabei aus allen Richtungen zusammenfließen. Denn wir hinterlassen immer und überall unsere Spuren, der überwiegende Anteil davon kommt aus sozialen Netzwerken, dem ‘Internet der Dinge’ (IoT) sowie zahlreichen Sensoren aus Maschinen und Fahrzeugen.

Aber auch Interaktionen mit Behörden und Firmen, bis hin zu den Aufzeichnungen von Überwachungssystemen, können Teile davon werden. Dabei ist das Gefühl, dass darunter auch Daten sind, die bis jetzt als privat galten, wohl gerechtfertigt.

Durchschnittsleben.

Doch Big Data ist im Grunde nichts Neues, nur der Umfang und die verwendeten Strategien bzw. Auswertungsarten der Big Data sind im Wandel. So hatte man früher den „homme moyen“, den Durchschnittsmenschen, im Blick und dieser war das Maß aller Dinge. Heutzutage wird im großen Datenpool schon tiefer gefischt und man versucht aufgrund der Informationen über eine Gruppe auf individuelle Profile zu schließen. Dabei kann das Verhalten Anderer die persönliche Kreditwürdigkeit, Versicherbarkeit oder Ähnliches beeinflussen, aber auch bei der Früherkennung von Krankheiten helfen.

Gib mir deine Daten, ich sage dir, wie krank du bist.

Genau dieses Ziel hat die App „Complex Disease Detector“, ein beim EYA vorgestelltes Siegerprojekt aus Schweden aus der Kategorie „Healthy Life“. Mit Hilfe von maschinellem Lernen und „data mining“, also Datensammeln, sollen Herzprobleme frühzeitig erkannt werden. Dabei sollen medizinische Standarddaten, wie die Ergebnisse von Blutuntersuchungen oder EKGs und demografische Daten in einer Cloud gespeichert werden und eine genauere Entscheidungshilfe für Ärzte bieten. Die Frage, die bleibt, ist, welche Auswirkungen das auf den Datenschutz haben könnte.

Wissenschaft vs. Privatsphäre.

„Leider herrscht in Österreich vielfach noch ein völlig falsches Verständnis von Wissenschaft. Seriöse Forschung kann keine Einbahnstraße sein, sondern funktioniert nur in einer Win-win-Situation. Datenschutz darf nicht als Vorwand dienen, die Forschung zu blockieren“, übt Ferdinand Mühlbacher, Transplantationschirurg und Vorstand der Chirurgie am Wiener AKH, in einem Falter-Interview Kritik.

In Deutschland untersagt der Datenschutz beispielsweise die Erhebung großer Datenmengen im Gesundheitswesen. Franz-Josef Bartmann von der Bundesärztekammer in Deutschland meint in einem Interview: „Im Grunde genommen, wenn dieses Bild nicht mit einem konkreten Namen, mit einer Person verbunden wäre, also pseudoanonymisiert, ist das Risiko ja für den Einzelnen relativ gering. Aber dem wird immer entgegengesetzt das Risiko: Ja, was passiert, wenn sich jemand nicht an diese Vorgaben hält und es tatsächlich technisch möglich wäre, dann diese Pseudoanonymisierung wieder aufzuheben?“

In den skandinavischen Ländern und teilweise in den USA habe die Gesellschaft einen ganz anderen Zugang zu diesen Fragen. Das heißt so viel wie, dort sind die Voraussetzungen für Data-Mining allein schon in den gesellschaftlichen Bedingungen viel breiter als in Mitteleuropa.

Für welchen Weg sich die Gesellschaft entscheidet, legt sie schlussendlich aber selbst fest. Die technischen Voraussetzungen werden bestimmt nicht weniger einladend werden.

Quellen und Links zum Thema:

Wer hat die privaten Daten verraten? (FAZ)

Big Data – Datensammlung: Fluch oder Segen? (Politik-Digital.de)

*Das Foto zeigt die Entwickler des Projekts “Complex Disease Detector”, Allen Ali Mohammadi und Max Mohammadhassan Mohammadi

(c) Daniela Schmid

 


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