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Mad Feminism?


Actionhelden: Große, muskulöse Männer, die einen Macho-Spruch nach dem anderen abliefern und in die sich die Frauen der Reihe nach verlieben, weil sie ja so stark, so besonders, etc. seien.

Dies ist der Archetyp des Protagonisten im modernen Actionkino, der sich seit den 2000ern nicht geändert hat. In kaum einem Film seitdem dürfen Frauen selbst austeilen, sich selbst verteidigen oder retten. Doch dieses Thema trifft auf den Film „Mad Max Fury Road“, der vor Kurzem anlief, in keiner Weise zu. Hier wird der eigentliche Protagonist des Films, Max, durch die fast schon präsentere zweite Hauptperson „Imperator Furiosa“, gespielt von Charlize Theron, in den Punkten Austeilen, Einstecken und Coolness meist übertroffen. Man könnte sogar soweit gehen zu sagen, dass sie die eigentliche Protagonistin des Filmes sei. Aber um dies zu verstehen, nun eine kurze Zusammenfassung des Filmes:

Furiosa befreit die vom Hauptantagonisten gefangengehaltenen Frauen und möchte mit ihnen an einen besseren Ort fahren, wo sie nicht dazu gezwungen werden, Kinder zu gebären. Sie bekommt dabei Hilfe von Max und einem „War boy“, die sie in der Wüste trifft, nachdem deren Auto zerstört wurde. Also versuchen sie den ganzen Film über zu dem besseren Ort zu gelangen, der, wie sich dann herausstellt, nicht mehr existiert. Also entscheiden sie sich, zurückzufahren und den unbewachten Stützpunkt des Antagonisten einzunehmen. Auf der Rückfahrt tötet Furiosa dann noch den Antagonisten und es kommt zu einem Happy End. Die Story ist zwar dünn, aber deswegen schaut sich auch niemand diesen Film an.

Die Action ist brutal, sieht gut aus und ist kaum computeranimiert, die Charaktere passen in eine so raue und brutale Welt der Zukunft und die Kamera macht keine langsame, lüsterne Fahrt über einen halbnackten Frauenkörper wie z.B. in „ Furious 7“. Aber um nun zu dem Punkt zu kommen, der den Film so besonders macht: Während des ganzen Films muss sich Furiosa kaum auf einen der Männer verlassen, um gerettet zu werden. Sie verliebt sich auch nicht in Max, als er ihr am Ende durch eine Blutspende das Leben rettet, was der Standardablauf in so einem Film wäre.

Dieser Typus von weiblichen Helden im Actionkino ist allerdings nichts Neues, er wurde lediglich vergessen. Bereits in Filmen aus den 80ern und 90ern gab es solche Heldinnen, zum Beispiel in Filmen wie „Alien“ und „Terminator 2“, in denen sich die Frauen selbst verteidigen und die Monster und Maschinen auch, wie teilweise im Fall von Terminator, selbst bekämpfen konnten. Jedoch ging dieser Typus Heldin in den letzten Jahren immer mehr verloren und die ZuseherInnen des Actionkinos gewöhnten sich daran, dass nur ein Mann sich im Actionkino durchsetzen durfte.

Dies geht soweit, dass Männerrechtler von „Return of Kings“ den Film sogar als „feministische Propaganda“ bezeichnen und behaupten, dass ein Stück amerikanische Kultur zerstört wurde. Es ist zwar ein gute Frage, wie ernst der Autor Aaron Clarey zu nehmen ist, jedoch ist allein die Tatsache, dass sich so jemand über einen der besten Actionfilme der letzen Jahre in so einer Weise aufregt, ein Zeichen dafür, dass Geschlechtergerechtigkeit noch nicht bei allen angekommen ist. Wenigstens macht man sich aber in sozialen Netzwerken über ihn und seine Weltanschauung lustig.

Doch um zum Ende zu kommen: Es wäre wirklich schön, wenn man mehr solcher gnadenloser Actionfilme bekommen würde, in denen Frauen nicht nur anwesend sind, damit man auf ihren Arsch zoomen und der Hauptheld sie mit ins Bett nehmen kann. Das wäre ein wirklich breitenwirksamer Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit, den doch auch viele Menschen sehen würden, die keine Gleichbehandlungsgesetze lesen.


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