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Wer hat Angst vorm Flüchtling?


Erst in den letzten Tagen gab es wieder Angriffe auf Flüchtlingsheime in Österreich (Vogau bei Strass) und in Deutschland (Tröglitz). Solcherlei Aktionen sind leider keine Seltenheit, schließlich haben Flüchtlinge hierzulande, was ihren Ruf angeht, einen schweren Stand. In Österreich hat man Angst vor Flüchtlingen, das hat seinen Ursprung in der ureigenen Skepsis vor den/m Fremden, die wir Menschen zu einem großen Teil leider haben. Nur wird nicht wirklich versucht, den Menschen diese Angst zu nehmen, stattdessen schüren viele Zeitungen und Politiker/innen Ressentiments gegen Flüchtlinge, insbesondere gegen sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge.

Ist das Boot voll?

Man hört öfter mal die Aussage, dass das Boot voll sei. Gemeint ist damit, dass wir in Österreich, im wohlgemerkt zweitreichsten Land der EU, keinen Platz für noch mehr Flüchtlinge haben. Ein grotesker Blödsinn natürlich, haben wir doch einen extrem niedrigen Asylwerber/innenanteil in Österreich. Würde man Vergleiche mit Nachbarländern Syriens wie dem Libanon herstellen, sähe man mit dieser Aussage gleich ein bisschen dämlich aus. Der Libanon hat über eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen, obwohl das Land selbst nur 4 Millionen Einwohner/innen hat und bettelarm ist. Hier in Österreich wird über jeden einzelnen Flüchtling gejammert, liegen sie schließlich nur dem Staat auf der Tasche. Oder so. Wir haben in Österreich insgesamt 2102 Gemeinden mit durchschnittlich 4033 Einwohner/innen pro Gemeinde. Würde jede Gemeinde nur 5 % ihrer Bewohner/innenanzahl an Flüchtlingen aufnehmen, hätten wir in Österreich Platz für über 400.000 Flüchtlinge. Und 5% ist nun echt nicht viel, das sind bei 100 Personen genau fünf Menschen, und ich bezweifle, dass diese fünf Flüchtlinge jetzt einen großen Tumult kreieren. Gegenwärtig liegen wir bei ein paar Tausend Asylwerber/innen. Conclusio: Das Boot ist nicht mal ein bisschen voll.

Wo hat die Angst ihren Ursprung?

Wie erwähnt sind wir Menschen sowieso schon mal recht skeptisch gegenüber Neuem. Nun wäre das noch nicht das große Problem, denn Skepsis ist noch keine Angst. Problematisch ist halt, wenn Zeitungen wie zum Beispiel die Krone, immerhin auflagenstärkste Tageszeitung Österreichs, in großem Maße gegen Asylwerber/innen hetzen und so Wasser auf die Mühlen der Rechten leiten. Zumeist wird das Asylthema auch mit dem Faktor Religion verbunden, denn viele Flüchtlinge sind muslimischen Glaubens. Klar, dass das für eine Partei, welche „Daham statt Islam“ plakatiert, eher nicht so toll ist. In Österreich ist die Meinung, dass die „bösen Ausländer“ den „hart arbeitenden Österreichern“ die Arbeitsplätze wegnehmen, stark manifestiert und spielt der Angst natürlich in die Hände. Demnach ist diese Angst ein Konstrukt aus österreichischem Alltagsrassismus kombiniert mit der Angst um den Arbeitsplatz und der Angst vor dem Islam. Die Angst vor dem Islam ist auch relativ leicht zu analysieren, problematisch ist hier vor allem der „Islamische Staat“, denn der/die Standardbürger/in schaut da rein auf den Namen und denkt nicht daran, dass auch muslimische Glaubenseinrichtungen den IS strikt verurteilen und ablehnen. Genau das nutzt auch der Parteipropaganda, welche wieder die Angst schürt.

Hat Österreich kein soziales Gewissen?

Beim Staat Österreich frag ich mich das manchmal wirklich, schließlich geht die Politik, was das Verhalten Flüchtlingen gegenüber angeht, teilweise grob fahrlässig vor. Man nehme nur das Beispiel Spital am Semmering. Da wurden, in Relation zur Bevölkerung, extrem viele Flüchtlinge in ein Lager gesteckt, was letztendlich nur Ärger gebracht hat. Grundsätzlich wünscht man sich, dass es möglich ist, dass sich die Flüchtlinge in die Bevölkerung integrieren können und von der Bevölkerung aufgenommen werden. Das ist dort mit Sicherheit nicht so leicht möglich. Schließlich wird die Bevölkerung eher wenig begeistert über eine große Zahl Flüchtlinge sein, da das erstens über ihre Köpfe entschieden wurde und zweitens schlichtweg unverhältnismäßig ist. Außerdem kann es Menschen schwerfallen, sich in eine fremde Gesellschaft zu integrieren, wenn sie so viele Landsleute um sich haben, wie es dort der Fall ist.

Auf die Frage, ob die österreichische Bevölkerung kein soziales Gewissen hat, würde ich jetzt nicht mit ja antworten. Natürlich haben wir auch Vollpfosten in unserem Land, die einfach einen sinnlosen Hass auf Ausländer haben, aber das ist eine kleine Minderheit. Was wirklich das Problem ist, dass viele Österreicherinnen und Österreicher Angst vor syrischen Flüchtlingen haben, weil sie fürchten, dass die den IS nach Österreich bringen. Im Moment ist der Islam das Angst-Symbol Nummer eins in Österreich. Danke dafür an die Hetzer in Politik und Medien. Frei nach dem deutschen Rechtspolitiker Michael Stürzenberger (Die Freiheit): „Jeder Moslem ist ein potentieller Terrorist!“ Dass das nicht weit von der Volksmeinung entfernt ist, ist das Tragische dahinter.

Und jetzt?

Flüchtlinge gab es schon immer. Sei es nun wegen eines Krieges oder einer schlimmen wirtschaftlichen Situation. Erst in den 1990ern nahm Österreich mehrere zehntausend Flüchtlinge wegen der Jugoslawien-Kriege auf, also wird das ja wohl heute auch hinhauen. Was uns einfach bewusst werden sollte, ist, dass es hier um Menschenleben geht, Menschen wie du und ich. Und vielleicht sollte man mal sich selbst die Frage stellen: „Wie würde ich handeln, wenn um mich rum Krieg oder wirtschaftlicher Ruin ist?“

Schwer vorstellbar, aber für viele Menschen der Alltag. Wir können wirklich glücklich sein, in einem Land wie Österreich leben zu dürfen. Uns fehlt es hier an nichts und deswegen sollten wir auch andere, weniger begünstigte, daran teilhaben lassen. Sofern es die Politik mal schafft, dass Flüchtlinge sinnvoll auf Österreich aufgeteilt werden, wird auch die Inklusion funktionieren, denn es gibt mittlerweile viele Gemeinden, wo Asylwerber/innen Seite an Seite mit den „alteingesessen“ Österreicher/innen spielen, lernen oder arbeiten. Flüchtlinge sind Menschen wie du und ich, Menschen, die nichts haben und denen wir deshalb extra viel geben sollten.


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