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Weltgrößtes Flüchtlingslager bald Geschichte?


Das Flüchtlingslager Dadaab in Kenia soll geschlossen werden. Haben sich im Lager Mitglieder der islamistischen Al-Shabaab eingenistet? Wie soll die Auflösung vonstattengehen? Dies sind nur einige der vielen Fragen, die sich die Regierung in Kenia zu stellen hat.

Die Regierung Kenias will das weltgrößte Flüchtlingslager schließen, da vermutet wird, dass im Camp Dadaab Islamisten der Al-Shabaab Bewegung Unterschlupf gefunden haben. Auslöser für die Schließung war das Attentat auf die Universität in Garissa, verübt von Anhängern der Terrormiliz Al-Shabaab. Derzeit leben mehrere hunderttausende Somalier/innen in diesem Lager. Die Regierung hat alle Flüchtlinge aufgefordert, innerhalb von drei Monaten nach Somalia zurückzukehren. Für die Flüchtlinge ist an eine Rückkehr derzeit allerdings noch nicht zu denken, da die Lage noch immer sehr kritisch ist. Wenn die Umsiedelung mit Hilfe des UNO-Flüchtlingshochkommissariats nicht fristgerecht gelingt, wird die Regierung die Flüchtlinge unter Anwendung von Zwang zurückführen. Ein weiteres Problem ist, dass von den mehr als 600.000 Flüchtlingen im Camp nur 335.000 registriert sind. Die Herkunft und Identität der verbleibenden rund 265.000 Flüchtlinge ist fraglich, wodurch eine geordnete Lagerauflösung praktisch unmöglich ist.

Al-Shabaab

Al-Shabaab, eine ursprünglich in Somalia aktive militante islamistische Bewegung, die in der Zeit von 2006 bis 2009 am somalischen Bürgerkrieg beteiligt war, hat nicht nur die Übergangsregierung bekämpft, sondern auch die Errichtung eines islamischen Staates am Horn Afrikas und die weltweite Beteiligung am Dschihad zum Ziel. Nach dem Tod Osama bin Ladens 2012, erklärte Al-Shabaab der al-Qaida die Gefolgschaft und ist seitdem offizielles al-Qaida Mitglied.

Massaker an kenianischer Universität

Nachdem am 2. April 2015 an der Universität in Garissa Mitglieder Al-Shabaabs 142 Student/innen und sechs Sicherheitskräfte töteten, ist das Land in Aufruhr. Kenianische Spezialeinheiten benötigten mehr als sieben Stunden, um die Universität zu erreichen und das Massaker zu beenden. In den Augen der Bevölkerung grenzt der massiv verspätete Einsatz der kenianischen Sicherheitskräfte ans Kriminelle und machte es den Attentätern erst möglich, ihr grausames Treiben fortzusetzen. Augenzeug/innen berichteten, dass die Täter mit „offensichtlichem Genuss“ mordeten.

Mauer als Schutz vor Al-Shabaab

Um Kenia vor weiteren Anschlägen somalischer Al-Shabaab-Milizen zu schützen, wurde nicht nur die Auflösung des Flüchtlingslagers beschlossen, sondern wird auch beabsichtigt, an der Grenze zu Somalia eine 700 Kilometer lange Mauer zu errichten, um sich vor dem Eindringen von Al-Shabaab Kämpfern zu schützen. „Wir müssen dieses Land sichern, was auch immer es kostet“, so Vizepräsident William Ruto. Es ist zu befürchten, dass die Auflösung des Flüchtlingslagers das Leid der hilfesuchenden somalischen Flüchtlinge vergrößern wird und es ist wohl mehr als fraglich, ob derartige menschenrechtlich bedenkliche Maßnahmen geeignet sind, um die Sicherheit des Staates zu erhöhen.


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