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Frauen in die Politik oder Warum man Hillary vielleicht doch nicht wegen ihres Geschlechts wählen sollte


Lokal gesehen

Frauen und Politik – das sind zwei Begriffe, die sich in den letzten 70 Jahren erst einmal langsam näher kommen mussten. Und wie in beinahe allen anderen Bereichen ist diese Annäherung noch lange nicht abgeschlossen. Man blicke in die heimische Politlandschaft: Hier gibt es durchaus weibliche Ministerinnen, zumindest in Ämtern, die auch gerne mit weiblichen Werten assoziiert werden – siehe aktuell Gabriele Heinisch-Hosek als Bildungsministerin und Sophie Karmasin als Ministerin für Familie und Jugend. Andere oder gar höhere Positionen sind jedoch eine Seltenheit, wenige Ausnahmen wie zB die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic bestätigen die Regel.

Global gesehen

Blickt man jedoch zu unserem Nachbarn Deutschland, so schaut es hier seit 2005 schon etwas anders aus – mit Angela Merkel hat hier eine Frau die politische Führung über, und das nun schon in der 3. Amtsperiode. Damit ist sie laut Forbes Magazine die “Most Powerful Woman 2014”. Auch international wird die Zahl an Spitzenpolitikerinnen ständig größer, und weibliche Staatsoberhäupter sind nicht mehr überall eine Ausnahme. Von europäischen Ländern wie Kroatien, den Kosovo oder Litauen über Brasilien und Indien bis hin zur Zentralafrikanischen Republik und Südkorea, die Liste wird ständig länger. Von einer Ausgewogenheit ist man jedoch noch immer weit entfernt.

Ein weiteres Land auf der genannten Liste könnten ab 2016 auch die Vereinigten Staaten von Amerika sein. Nachdem Hillary Clinton nun ihre Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2016 verkündet hat, könnte es nach Barack Obama wieder ein “erstes Mal” in der Geschichte der Präsidenten der Vereinigten Staaten geben.

Neutral gesehen

Von vielen wird allein die Tatsache, dass Hillary weiblich ist, schon als Grund gesehen, sie zu wählen, andere wollen von ihrem Geschlecht die Werte ablesen, die sie repräsentiert. Auch ihre Wahlkampfkampagne orientiert sich stark daran; sie selbst stellt sich gerne als Verfechterin der Frauenrechte dar. Generell wirkt ihre ganze Kampagne sehr demokratisch: die Partei der Mittelschicht. In ihrem etwas mehr als zwei Minuten dauernden Werbevideo kommen die verschiedensten Gesellschaftsgruppen zu Wort, die für diese Mittelschicht stehen sollen – vom Jungunternehmer über die alleinerziehende Mutter und die frischgebackene Pensionistin bis hin zum homosexuellen Paar, das von seiner Hochzeit spricht; alles in allem sehr liberal. Gegner/innen werfen ihr dabei jedoch Scheinheiligkeit vor und beleuchten ihre Vergangenheit: Angefangen von einem Fall, in dem sie als junge Juristin einen Vergewaltiger vor Gericht erfolgreich verteidigt hat, obwohl sie von dessen Schuld wusste, bis hin zu ihren aktuelleren politischen Tätigkeiten, in denen sie zB den Irakkrieg oder andere militärische Aktivitäten zugunsten von wirtschaftlichen Zielen guthieß.

Wie viel von den Behauptungen ihrer Gegner/innen dabei wirklich glaubhaft ist, wie sehr sich ein Mensch ändern kann und wie ernst ihre eigenen Versprechen sind, muss jede/r für sich selbst entscheiden. Fest steht, dass Hillary, die nicht nur die Unterstützung des aktuellen Präsidenten Barack Obama, sondern auch die von Angela Merkel zugesprochen bekam, sicherlich nicht die Außenseiterinnenrolle innehat, in der sie sich darstellt, nachdem sie (unter anderem) wegen ihres überheblichen Auftretens bei der letzten Vorausscheidung gegen Obama gescheitert ist. . Ich persönlich hoffe nur, dass Hillary, sollte sie wirklich die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika werden, nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern aufgrund ihres Wahlprogramms gewählt wird.


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