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Verdammt guter Start, nur nach der Demo ging’s bergab


Vor etwa drei Monaten waren sie in aller Munde, inzwischen ist es ruhig geworden in den Medien. Nichtsdestotrotz schreitet ihre Verbreitung voran – mittlerweile auch in Österreich. Die Rede ist von PEGIDA – die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes.

Im Artikel “Wenn die Kirche Farbe bekennt” wurden bereits einige der Probleme, die PEGIDA zur Popularität verholfen haben, sowie die relativ geringen TeilnehmerInnen- und überproportional großen GegnerInnenzahl in allen Städten außer der Ursprungsstadt Dresden erläutert.

Jetzt auch in Österreich

Mittlerweile zeigt sich in Österreich ein ähnliches Bild: Für alle größeren Städte gibt es mittlerweile PEGIDA-Fanseiten, die ersten Demonstrationen sind bereits über die Bühne gegangen. In Wien bereits Anfang Februar, dort hielt es sich jedoch im sehr kleinen Rahmen – die Gegendemonstration war wesentlich größer. Dennoch – oder vielleicht genau deswegen – gab es auch schon den ersten Rücktritt an der Spitze der Bewegung: Georg Immanuel Nagl, der ehemalige Sprecher der PEGIDA Wien, legte seine Funktion nur zwei Tage nach der wenig erfolgreichen Demonstration zurück. Dies hatte, laut eigenen Angaben, jedoch nichts mit dem Misserfolg der Veranstaltung zu tun, er sah lediglich seine Aufgabe, “Medienöffentlichkeit zu erreichen”, als erfüllt an.

Die zweite Demonstration, welche in Linz stattfand, bewegte da schon größere Massen – allerdings wieder auf der anderen Seite. Die Bewegung “Linz gegen Rechts” verzeichnete rund 1800 TeilnehmerInnen, während sich an der eigentlichen PEGIDA-Veranstaltung nur etwa 100 Personen beteiligten, so die Angaben der Polizei. Diese brachte übrigens ein gewaltiges Aufgebot an Sicherheitskräften auf: Insgesamt 700 BeamtInnen wurden eingesetzt, so ein Sprecher der oberösterreichischen Exekutive.

Mehr Schein als Sein?

Zumindest auf Facebook scheinen die österreichischen PEGIDA-Gruppen aber durchaus beliebt zu sein, wenn man nach der Anzahl der Likes urteilt. Darf man der Facebook-Analyse von Stern TV trauen, so ist dies alles andere als aussagekräftig: Ein Großteil der Likes kommt aus Deutschland. Österreichische Anti-PEGIDA Seiten haben zwar nicht ganz so viel Zulauf, dafür kommt dieser fast ausschließlich aus Österreich.

Zuspruch der etwas anderen Art bekommt PEGIDA Österreich von Seiten der FPÖ: Laut Strache vertreten sie ein durchaus berechtigtes Anliegen. Der Tiroler FPÖ-Sprecher Johann Überbacher geht sogar noch weiter: Ihm zufolge brauche Österreich die Bewegung gar nicht, denn es gibt ja die FPÖ – “Wir sind die wahre PEGIDA”. Die Gruppe wehrt sich allerdings gegen die Vereinnahmung, weil sie sich selbst als „unpolitisch“, so das offizielle Statement der PEGIDA Wien, sieht.

Wie es mit PEGIDA weitergeht steht in den Sternen, ihren Zenit hat die Bewegung wohl schon überschritten – das sieht man vor allem an der kaum mehr vorhandenen Medienpräsenz. Das Fehlen von konkreten Ereignissen wie dem Anschlag in Paris hat die Wogen geglättet, und die Verweigerung von konstruktivem Dialog macht den Eintritt in die Realpolitik mehr als schwierig. Lokale Gruppierungen werden wohl noch lange auftreten, eine regionen- oder sogar länderübergreifende Bewegung wird aber immer unwahrscheinlicher.


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