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Ethische Bildung, nicht religiöse Erziehung


Lieber Unterricht oder eine Freistunde? In keinem Fach, außer Religion, stellt sich diese Frage. Jedes Jahr aufs Neue entscheiden sich immer mehr SchülerInnen für die Freistunde. Dabei wäre religiöse Bildung und gegenseitiges Verständnis der Religionen, gerade heute, so wichtig. Schreit das nicht nach Ethikunterricht?
Aktuelle Lage

Die Diskussion über den traditionellen Religionsunterricht und einen möglichen Ethikunterricht gibt es schon seit Jahrzehnten. Fakt ist: Der Religionsunterricht wird zunehmend unattraktiver für SchülerInnen. Hingegen wird das erforderliche Wissen über andere Kulturen und Glaubensgemeinschaften immer wichtiger, um ein gutes Miteinander zu garantieren und Vorurteile aufgrund von Nicht-Wissen zu minimieren.

Keine Bibelkunde

Es ist unbestritten, dass das Fach „Religion“ in der heutigen Zeit eine ganz andere Bedeutung hat und sich die Inhalte im Vergleich zu Mitte des 20. Jahrhunderts stark verändert haben. Dennoch kritisieren GegnerInnen des traditionellen, verpflichtenden Religionsunterrichts, dieser sei nicht zeitgemäß. Dieses Argument wird nicht zuletzt durch die zahlreichen Abmeldungen der SchülerInnen untermauert.

Nicht jeder Religionsunterricht beinhaltet Bibelkunde, ganz im Gegenteil, zahlreiche LehrerInnen diskutieren mit ihren SchülerInnen über ethische Themen wie Sterbehilfe oder Abtreibung und erweitern deren religiösen Horizont. Doch vermitteln sie dieses Wissen eben nur denen, die sich gegen die Freistunde entschieden haben. Seit dem Schuljahr 1997/98 werden in zahlreichen österreichischen Schulen „Ethik“-Schulversuche durchgeführt. In diesem Fall ist „Ethik“ für jene Schüler, die an keinem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen können oder wollen, sozusagen ein Ersatzpflichtgegenstand.

Wissende sind im Vorteil

Wir leben in einer Multikulti-Gesellschaft und schaffen es nicht, einen gemeinsamen Unterricht zu entwickeln! Einen Unterricht, in dem alle SchülerInnen diverser Kulturen gemeinsam diskutieren und lernen, ihre Lebens- oder Glaubensweise anderen zu erklären und gewisse Standpunkte zu vertreten? Religion und ethische Erziehung funktionieren unter diesen Kriterien zwar nicht gleichzeitig, sie schließen einander aber nicht aus. Die persönliche religiöse Überzeugung ist jedem selbst überlassen und sollte Teil der Privatsphäre sein. Vor allem, weil heutzutage die Zeiten vorbei sind, in denen mehr als 90 Prozent einer Klasse die gleiche Konfession haben. Vielmehr sollte die Wertevermittlung in den Vordergrund rücken! Werte sind keine Wissenschaft und lassen sich nicht mit empirischen Methoden bestimmen, sie sind moralische Vorstellungen, doch gerade sie sind wichtig, um eine funktionierende Gesellschaft aufrecht zu erhalten.

Der Politik sollte es ein Anliegen sein, die Bildung der Kinder über festgefahrene und veraltete Ideologien zu stellen. Dies betrifft natürlich nicht nur diesen Bereich und ist ein alter Wunsch, doch die grausamsten Taten in der Vergangenheit hatten oft religiösen Ursprung oder wurden zumindest damit begründet. Ein bisschen religiöses Wissen übereinander würde sich da wahrscheinlich nur positiv auswirken!


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