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Chancen für das große fremde Unbekannte


70 Jahre nach der schrecklichsten Verfolgung in unserer sonst pompösen und dekorativen Geschichte Österreichs, drohen sich die Gräueltaten zu wiederholen. Einziger Unterschied: In den Opferrollen finden sich nicht nur Religionsgruppen bzw. ethnische Gruppen wieder, sondern das kollektive Fremde.

Immer dieselben schlechten Ausreden

„Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber es beunruhigt mich schon, wenn sie unseren Kindern die Arbeitsplätze wegnehmen und sich vom Staat durchfüttern lassen“. Solche Aussagen gehören wohl schon zum Standardvokabular bei Diskussionen jeglicher Art. Immer mit dem vorsichtigen „Ich hab ja grundsätzlich nichts gegen sie“ zu Beginn, damit man nicht selbst in die Kategorie „ausländerfeindlich“ eingestuft wird. Urteilen, aber nur ja nicht hinterfragen, mit dem Strom, aber nur ja nicht dagegen schwimmen, lautet dabei die Devise. Es braucht viel Energie, Geduld und vor allem gute und richtige Argumente, diese eingebrannten Vorurteile richtig-zu-stellen und aus der Welt zu schaffen. Oft fehlt es auch an Hintergrundwissen und an ehrlicher Information und Berichterstattung von Seiten der öffentlichen Hand und der Medien. Auch politische Entscheidungen sind oft nicht nachvollziehbar und viel zu undurchsichtig. Einerseits kommt von Seiten der Politik immer wieder die positive Absicht der Integration an das Tageslicht, andererseits dauern Asylverfahren einfach zu lange. Man hat als österreichische/r BürgerIn keinen Einblick, wie heimische Politiker tatsächlich zu AsylwerberInnen stehen. Leider bleibt es auch nach wie vor ein Rätsel, warum die Menschen so leicht zu beeinflussen sind und vieles ungeprüft glauben. Würde nur die Hälfte der leichtgläubigen MitbürgerInnen ihre Thesen überprüfen, würde der österreichische Hasspegel gegenüber AsylwerberInnen deutlich sinken. Viele MitbürgerInnen vergessen nämlich leider immer wieder, dass „Ausländer“ Jobs „wegnehmen“, die wir Österreicherinnen und Österreicher niemals annehmen würden, weil wir uns zu schade dafür sind. Es wären z.B. die wenigsten bereit, für 5 Euro die Stunde öffentliche Toiletten zu putzen, und das 40 Stunden die Woche. Ein weiteres Phänomen unserer westlichen Gesellschaft ist es, dass AsylwerberInnen sehr häufig als „Sozialschmarotzer“ beschimpft werden. Natürlich gibt es immer wieder schwarze Schafe, die eine perfekte Vorlage für die Hetze bieten, doch von denen gibt es unter den Österreicherinnen und Österreichern auch genügend. Beschäftigt man sich genauer mit den Fakten und Zahlen, bemerkt man, dass AsylwerberInnen mit rund 400 Euro weniger auskommen müssen als ein österreichischer Sozialhilfebezieher oder eine österreichische Sozialhilfebezieherin. Für uns ist es schlichtweg unmöglich, mit 300 Euro im Monat auszukommen. Asylwerbende Familien schaffen dies ohne zu klagen und sind darüber hinaus über jeden Cent glücklich.

Zwischenmenschliche Herausforderungen

Viele steirische Gemeinden haben sich nach langem Drängen von Seiten der Regierung endlich dazu bereiterklärt, ein kleines Grüppchen an AsylwerberInnen bei sich aufzunehmen. Welche Auswirkungen diese Aufnahme auf das Gemeindeleben und auf die BewohnerInnen haben kann, ist unvorstellbar. Anstatt den AsylwerberInnen ein besseres bzw. lebenswertes Leben und die Möglichkeit, sich in die Gemeinschaft zu integrieren, zu bieten, wird mit allen Mitteln versucht, sie aus der Gemeinschaft auszustoßen. Türen werden verriegelt, Tore verschlossen und Gespräche unterbrochen. Unfassbar, wenn man bedenkt, welchen Strapazen, Qualen und Schicksalsschlägen viele der AsylantInnen schon ausgesetzt waren. Diese Taten führen zur vollkommenen Isolation der AsylwerberInnen in den einzelnen Gemeinden. Auch ohne Zeichen auf ihrer Kleidung werden sie behandelt als wären sie unerwünscht, fast schon wie etwas Bedrohliches. Ein Leben, das man niemandem wünscht. Sind asylwerbende Familien schon für längere Zeit im Ort, wirft man ihnen auch häufig vor, dass sie sich nicht für die heimische Kultur, Küche, Sprache und Gemeinschaft interessieren. Wie sollten sie auch, wenn sie von vorne herein isoliert und ausgegrenzt werden. Wenn ihnen Ablehnung und nicht „Hier gewollt sein“ quasi auf die Stirn tätowiert wird.

Aber bei all dem negativen Gedankengut sollte man nicht auf jene Menschen vergessen, die sich um das Wohl ihrer Gäste oder sogar zukünftigen MitbürgerInnen sorgen und versuchen, ihr Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Das sind Menschen, die Zeit schenken. Da ist eine pensionierte Lehrerin, die regelmäßig mit den AsylwerberInnen Deutsch lernt. Da ist eine Mutter, die Bücher für Kinder sammelt. Ein Vater, der eine Kartenspielrunde installiert hat, um mit dem interessanten Fremden in Kontakt zu treten. Das Neue, das Unbekannte als positive Komponente in den Vordergrund zu rücken, ist das Elementare für diese Menschen. An diesen Personen sollte sich jede/r von uns ein Beispiel nehmen. Denn das Fremde ist kein Synonym für das Gefährliche bzw. Bedrohliche, sonst wären wir alle bedrohlich. Schließlich ist jede/r von uns irgendwo auf dieser Welt fremd.


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