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Wenn die Kirche Farbe bekennt


Köln, 5. Jänner 2015 – der Tag, an dem der Dom dunkel blieb.

Nachdem zuvor schon Der Postillion mit einer Absage-Meldung in Dresden für Verwirrung gesorgt hatte, gab es an ebenjenem Montag auch Widerstand aus einer etwas anderen, man könnte fast sagen unerwarteten, Richtung: nämlich von der Kirche.

Während der Demonstrationen blieb nicht nur ein Großteil der wichtigen öffentlichen Gebäude, sondern auch der Kölner Dom dunkel. Und während die zahlreichen Gegenaktionen scheinbar auch tatsächlich Wirkung zeigten – in Köln waren es lediglich rund 800 PEGIDA-DemonstrantInnen – so ist hier ein ganz anderer Aspekt wesentlich interessanter: Sowohl katholische als auch evangelische Kirche sprechen sich öffentlich eindeutig gegen PEGIDA aus, ein starkes politisches Symbol, das es so schon lange nicht mehr gegeben hat.

Auch wenn Säkularismus – die Separation von Kirche und Staat – in unserer Gesellschaft sehr wichtig ist, so war dieses Statement doch mehr als legitim. Denn in diesem Fall wurde und wird die Kirche von Anderen politisiert und als Rechtfertigung für Ausländer- und Islamfeindlichkeit missbraucht, ein Verhalten, das definitiv unterbunden werden muss. Umso wichtiger war es, dass der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki in seiner Silvesterpredigt zur freundlichen Aufnahme von Flüchtlingen und zur Unterlassung der fremdenfeindlichen Demonstrationen aufforderte. Auch der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, äußert sich gegen eine Teilnahme an den Demonstrationen und warnt PolitikerInnen davor, die Forderungen der DemonstrantInnen anzunehmen.

Die Verwendung von kirchlichen Liedern und Texten wird von den PEGIDA-OrganisatorInnen gezielt genutzt, um vor allem ältere, traditionsverbundene Generationen anzusprechen. Aber auch viele Jugendliche finden sich unter den DemonstrantInnen. Was sie alle verbindet, ist nicht schwer herauszufinden: Unzufriedenheit. Unzufriedenheit mit der Politik, mit dem Arbeitsmarkt, mit der Gesamtsituation.

Ähnliche Ausgangssituationen haben schon in der Vergangenheit extremistischen Bewegungen starken Zulauf verschafft, und auch in der Vergangenheit wurden kirchliche Motive verwendet, um die Masse anzusprechen. Der große Unterschied: Bis jetzt hat sich die Kirche diesen Bewegungen meist untergeordnet.

Dass die Kirche nun von ihrem zurückhaltenden Standpunkt hervorgekommen ist, könnte ein wichtiger Beitrag dazu sein, eine übermächtige Position dieser Bewegung zu verhindern. Obwohl sich in der heutigen Zeit immer weniger Menschen als gläubig bezeichnen, könnte die Kirche, da sie für die meisten nach wie vor für Tradition und die alten Werte steht, doch zumindest das Zünglein an der Waage sein, das die Situation am Kippen hindert.

Die nun geäußerten klaren Statements bringen hoffentlich den einen oder die andere zur Vernunft, die sich vorschnell haben verleiten lassen. Die einzige wirkliche Lösung wäre jedoch, dass auch die Politik sich ein Herz fasst und endlich die wirklich benötigten Veränderungen in die Hand nimmt, anstatt Probleme vor sich her zu schieben. Denn dann wäre PEGIDA den Großteil seiner AnhängerInnen innerhalb kürzester Zeit wieder los


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