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Update: So denkt die Jugend


 

Bildungsreform, soziale Werte, Religion und Rassismus an Schulen. Wie PolitikerInnen zu diesen Themen stehen, ist weitgehend bekannt. Doch wie empfinden jene, die wirklich täglich mit ebendiesen Problemen konfrontiert werden? Die 4. Steirische Jugendstudie 2014, durchgeführt von der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, hat es sich zum Ziel gemacht, die Meinungen steirischer Jugendlicher zu erkunden. Mit einem unerwarteten, doch erfreulichen Ergebnis.

Positives Urteil über Schul- und Lehrlingsausbildung

Ein Resultat der Studie sticht wohl besonders ins Auge. Trotz zahlreicher Kritik während der letzten Jahre wird das österreichische Bildungswesen von steirischen Jugendlichen nämlich durchaus geschätzt; ganz im Gegensatz zu seinem öffentlichen Ruf. Zwischen 80% und 85% der 2.225 befragten Jugendlichen bewerteten ihren jeweiligen Schultyp – APS, AHS, BMH/BHS oder LBS – mit den Schulnoten “Sehr gut” und “Gut”. Vielleicht sollte man sich hieran ein Beispiel nehmen und das österreichische Schulsystem nicht – wie gerne porträtiert – als “Dauerbaustelle” sehen. Ein positiver Reformgeist und ein Fokus auf positive Ergebnisse hätten durchaus vielversprechende Folgen.
Die Jugendsicht auf Schule und Bildung unterscheidet sich generell grundsätzlich von den öffentlichen Bildern und befürworteten Vorgehensweisen. So werden die Zentralmatura wie auch die Idee einer Ganztagsschule eindeutig von der Mehrheit der steirischen SchülerInnen abgelehnt.
Zusätzlich auffällig ist die 80%ige Befürwortung der von der Bundesregierung vorgeschlagenen Ausbildungsverpflichtung bis 18 Jahre. Zudem wünschen sich steirische SchülerInnen, in Zukunft bis zu ihrem 14. Lebensjahr eine einheitliche Schulform besuchen zu können und erst dann eine Entscheidung bezüglich der weiterführenden Schulwahl treffen zu müssen.

Familie vor Partys

Obwohl “Funfaktoren” wie Partys, FreundInnen und Freizeitaktivitäten immer noch auf den vorderen Plätzen vertreten sind, zeigt das Wertefundament der steirischen Jugend doch einiges an Ernsthaftigkeit. Die Bedeutung von familiären Strukturen, Ehrlichkeit, Treue und der eigenen Gesundheit tritt in den Vordergrund. Auch Themen wie Toleranz, das Engagement für andere, Sparsamkeit und Umweltschutz haben seit der letzten Studie 2011 stark an Wichtigkeit gewonnen.
Zusätzlich steigt der Stellenwert der eigenen beruflichen Laufbahn, wobei in Sachen Berufsentscheidung ein Gespräch mit den Eltern bei gleichzeitiger eigener Entscheidung mit 86% an erster Stelle steht. Generell wurde beobachtet, dass sich die Werte von weiblichen und männlichen Jugendlichen immer weiter annähern, laut Experten eine sehr positive Entwicklung. Jugendliche mit Migrationsgeschichte unterscheiden sich von jenen mit österreichischen Wurzeln in ihren Ansichten nur in wenigen Punkten. Religion, Sparsamkeit, Ausbildung, viel Geld verdienen und Sport werden von ihnen als noch wichtiger betrachtet, wohingegen Österreich als Heimat und Toleranz laut Studie als nicht ganz so essentiell beschrieben wurden.
Nicht verwunderlich ist die wachsende Bedeutung von Internet und “Social Media” in den letzten Jahren. Neue Medien sind im Leben der meisten steirischen Jugendlichen, wie neuerdings auch in ihrer Arbeits- und Bildungswelt längst selbstverständlich und nicht mehr wegzudenken.

Nein zu Gewalt

Wer befürwortet schon Gewalt? Natürlich könnte man sich diese Frage stellen. Niemand, wäre wohl die – leider nicht immer zutreffende – Wunschantwort. Bei nahezu allen steirischen Jugendlichen genießen Gewalt und Rassismus jedoch wirklich weder Zustimmung noch Akzeptanz. Dennoch gaben 3% bis 4% der Jugendlichen an, Gewaltopfer zu sein. Allgemein betrachtet handelt es sich hierbei jedoch immer noch um einen konstant niedrigen Anteil, wohingegen Mobbing und Bullying, von 40% in der Klasse beobachtet, und verbale Gewalt als häufiger verbreitet gelten. Doch auch auf diesem Gebiet ist ein positiver Gegentrend erkennbar. Besorgniserregend ist hingegen, dass 24% der Befragten berichteten, schon oft Konflikte zwischen Personen verschiedener Kulturen beobachtet zu haben. Die Steirische Jugendstudie über das stets durch Vorurteile belastete Thema “MigrantInnen und Gewalt”:

Obwohl im Sinne von Diversity der Migrationshintergrund allenfalls als biografische Kontextvariable oder als „Hintergrundflimmern“ zu verorten ist, sei wie bereits in den bisherigen Jugendstudien festgehalten, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund bei Gewalthandlungen häufiger als Opfer, aber auch häufiger als TäterInnen auftreten. […] Die möglichen Ursachen dieses verstärkten Auftretens von Gewalt- und Rassismuserfahrungen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund liegen freilich nicht in ihrem Migrationshintergrund begründet.

Laut Studie liegen die Gründe vielmehr in einer zu wenig weltoffenen Aufnahmegesellschaft, zu geringen Teilnahmemöglichkeiten an Bildung und Politik wie auch an bereits erlebten Armuts-, Gewalt-, Diskriminierungs- und Kriegserfahrungen im Herkunftsland. Gemeinsam mit möglichen Gefühlen von Entwurzelung und Heimatlosigkeit kann all dies bei manchen zu Gewalttaten führen. Das häufig durch Vorurteile bestimmte Bild der prinzipiell gewalttätigen “Ausländer” ist aber trotz oder gerade wegen dieser Fakten selbstverständlich nicht vertretbar.

Der Optimismus lebt

Trotz regionaler, nationaler und globaler Probleme und Katastrophen konnten der Optimismus und die positive Haltung der steirischen Jugendlichen nicht getrübt werden. Selbst die Weltwirtschafts- und Finanzkrise und aktuelle Bedrohungen durch Arbeitslosigkeit und Terrorismus hatten diesbezüglich keinerlei negative Auswirkungen.
Laut Steirischer Jugendstudie zeichnet sich die steirische Jugend als “pragmatische, weltorientierte, soziale und optimistische Generation” aus, die die Zukunft wie den sprichwörtlichen Stier bei den Hörnern packen will.


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