Kenne Deine Rechte

Ein Preis – drei GewinnerInnen


Warum auch Ziauddin Yousafzai zu den GewinnerInnen des Friedensnobelpreises zählt.

„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ Mit diesen Worten begeisterte Malala Yousafzai nicht nur die Jury des Friedensnobelpreises, sondern zog mit ihrem unermüdlichen Einsatz für die Bildung von Mädchen die ganze Welt in ihren Bann. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man immer wieder die präsente Rolle ihres Vaters. Es ist unumstritten, dass es ohne Ziauddin Yousafzai die Kinderrechtsaktivistin Malala nicht geben würde. Denn welche Zwölfjährige würde aus absoluter Selbstinitiative versuchen, gegen das brutale Regime der Taliban vorzugehen? Keine, würde ich sagen. Doch wie viel Einfluss hat bzw. hatte Ziauddin wirklich auf die einzigartigen und außergewöhnlichen Taten seiner Tochter?

Ein Tag, der das Leben vieler veränderte

Es war der 9. Oktober 2012, als zwei junge Gotteskrieger der Taliban den Schulbus im Swat-Tal stürmten und nach Malala riefen. Alle anwesenden Mädchen senkten den Blick zu Boden, bis auf eine. Malala, die als einziges Mädchen keinen Schleier trug, blickte den Taliban tief in die Augen. Im nächsten Moment fiel ein Schuss. Dieser veränderte nicht nur Malalas Leben, sondern auch jenes vieler anderer Mädchen in Pakistan. Nachdem sich Malala von dem brutalen Überfall erholt hatte, begann sie sich vermehrt für Rechte der Mädchen einzusetzen. In unzähligen Reden appellierte sie immer wieder, dass sich junge Frauen für ihre Rechte und Träume einsetzen sollten und dass Bildung der einzige Weg aus der Dunkelheit sei. Denn die Taliban fürchten Kriege genauso wenig wie den Tod. Das Einzige, was ihnen Angst macht, ist Bildung, friedliche, wirksame Bildung. Diese versucht Malala gemeinsam mit ihren UnterstützerInnen besonders unter Mädchen in Pakistan zu verbreiten. Sie ist eine der wenigen BewohnerInnen unseres hassüberfüllten Planeten, die niemanden verurteilt, nicht einmal die Taliban, die ihr so etwas Grauenvolles angetan haben. Malala kämpft nur gegen die Ideologie der Taliban, nicht gegen Personen. Es braucht schon sehr viel Nächstenliebe, aber vor allem Mut, dass man gegen Menschen, die einem den Tod wünschen, keinen Hass hegt. Nur wenige verfügen über diese menschliche Werthaltung, Malala ist eine davon.

Wieviel Malala steckt wirklich in den Taten der Friedensnobelpreisträgerin?

In einem früheren Interview erfährt man, dass es Malalas eigener Wunsch war, einmal Ärztin zu werden. Ihr Vater jedoch hatte andere Vorstellungen und sah in seiner Tochter eine zukünftige Politikerin. Das Skurrile daran war, dass Malala gar kein Interesse an Politik hatte. Ein Jahr später wurde die Nobelpreisträgerin wieder auf ihre Zukunft angesprochen. Überraschenderweise sah sie dann ihre Zukunft in der Politik. In einer weiteren Sequenz erzählt Malala, dass ihr Vater oftmals viel zu optimistisch, wenn nicht sogar fanatisch sei. Sein unbändiger Wille allen helfen zu müssen und der unermüdliche Einsatz für die Mädchen seiner Schule ließen ihn oft vergessen, dass er auch noch ein liebender Vater sein sollte. Malala berichtet von einem ihrer Geburtstage, als alle Verwandten zu Besuch waren und mit ihr feierten, nur der Vater fehlte. Er hatte ihren Geburtstag einfach vergessen. Zufall oder doch ein weiteres Anzeichen für eine bewusste Instrumentalisierung durch den Vater? Weder dieses noch jenes. Es ist sicher nicht zu verleugnen, dass Malalas Vater einen enormen Einfluss auf sie hatte und noch immer hat. Trotzdem merkt man in Interviews immer wieder, dass es ihm in seinen Handlungen vorrangig um die bestmögliche Unterstützung seiner Tochter gegangen ist und geht. Aus diesem Grund zählen sowohl Malala als auch ihr Vater zu meinen HeldInnen der Gegenwart.

 

Links:

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Artikel 26: Recht auf Bildung

Das Mädchen und die Taliban (Videoporträt Malala, 2012)

Malala Yousafzai erhält den Friedensnobelpreis 2014 – ein Porträt (Profil, 2014)

 

 


Das könnte dich auch interessieren