Kenne Deine Rechte

Copa Pra Quem?


Es ist wieder so weit, die Welt ist im Fußball-Fieber. Ein Monat lang wird Brasilien zum Gastgeberland des bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften. Aber wer profitiert wirklich von dem milliardenschweren Fußballfest?

Als im Herbst 2007 entschieden wurde, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien stattfinden soll, war der Jubel groß. Große Hoffnungen wurden ausgelöst, mit Versprechen auf wirtschaftlichen Aufschwung, neue Arbeitsplätze und allgemein mehr Perspektiven für die Bevölkerung Brasiliens. Laut FIFA-Präsident Joseph S. Blattler sollte „Die WM einen riesigen, sozialen und gesellschaftlichen Einfluss auf das Land haben.“

Doch die anfängliche Euphorie hat mit der Zeit eine wütende Richtung eingeschlagen, denn bald wurde klar, dass das Großevent weniger der Bevölkerung und der Gesellschaft dient, sondern viel mehr den privaten internationalen Unternehmen und den großen Sportvereinen.

Wenn Menschen im Weg sind…

Laut Veranstaltern bringt die WM jede Menge Vorteile für das Austrageland Brasilien. Argumentiert wird unter anderem mit einer Verbesserung der Infrastruktur und einer allgemeinen Aufwertung der Städte. Die WM soll außerdem neue Arbeitsplätze schaffen und für Fortschritt, Wachstum und Entwicklung stehen.

Aber die Realität in Brasilien schaut anders aus. Rund ein Viertel der brasilianischen Bevölkerung lebt in Armut und genau diese Menschen leiden unter dem bitteren Beigeschmack der WM. Vertreibungen und Zwangsräumungen überschatten das Event und zurück bleibt eine ausgebeutete Bevölkerung. In allen großen Städten, in denen WM Spiele ausgetragen werden, ist es zu Zwangsumsiedlungen gekommen. Ganze Quartiere mussten den neuen Stadien und Infrastrukturbauten wie Straßen oder Flughäfen weichen. Riesige Hotelburgen wurden in Wohngebieten und Armenvierteln hochgezogen, als ob dort niemand leben würde. Betroffene Familien sind oft weder informiert worden, noch konnten sie gegen die Vertreibung aus ihren Wohngegenden klagen.

Durch die Massenumsiedlungen und Durchführung städtebaulicher Großprojekte ist dadurch das Recht auf Wohnen und Bewegungsfreiheit systematisch verletzt worden. Darüber hinaus wollte der Fußballweltverband FIFA sogar Gesetzesänderungen vornehmen, um die ökonomischen Rahmenbedingungen an die Vorlagen der FIFA (http://www.fifa.com) und der Sponsoren anzupassen.

… und „weiße Elefanten“ zurück bleiben

In Wirklichkeit ist die Mehrzahl der erbauten Stadien viel zu groß, um nach der WM jemals wieder kostendeckend betrieben werden zu können. Gerade in einem Schwellenland wie Brasilien finden die sogenannten „weißen Elefanten“ langfristig keine Verwendung und die Megabauten gehen auf die Kosten etlicher Existenzen.

Ein sportliches Großereignis wie die Fußball-WM könnte jedoch sehr wohl für wirtschaftlichen Aufschwung und ein nachhaltiges Wachstum sorgen. Nur muss dabei richtig investiert werden. Denn was nützten der Bevölkerung die schönsten Stadien, modernsten Hotels und eine angebliche „verbesserte Infrastruktur“, wenn das öffentliche Bildungs-, Gesundheits- und Transportsystem nicht mithalten kann, die Korruption wuchert und Gewalt und Kriminalität an der Tagesordnung stehen.

Die Realität abseits der Spiele

Nur wenige Tage vor dem ersten Spielanpfiff, sind die Demonstrationen der Bevölkerung noch in vollem Gange. Schon im Vorfeld leistete die Bevölkerung heftigen Widerstand. Die Betroffenen setzten sich zunehmend zur Wehr, um für ihre Rechte zu kämpfen. Im Zentrum der Proteste standen dabei nicht nur die Zwangsumsiedlungen, sondern auch Erhöhungen des Nahverkehrssystems rund im die WM und das allgemein prekäre Bildungssystem. „Gelöst“ wurden die Konflikte letztendlich durch Gewalt. Auch vor dem Eröffnungsspiel, Brasilien gegen Kroatien, kam es zu Tumulten zwischen WM-GegnerInnen und der Polizei.

Fakt ist: das brasilianische Volk, gleich allen anderen Völkern dieser Welt, liebt und lebt den Fußball. Es ist der Weltsport Nummer 1 und Imageträger verschiedenster Nationen. Brasilien wird in den kommenden Wochen zum Schauplatz emotionaler und bedeutungsvoller internationaler Aufeinandertreffen. Doch nach dem letzten Anpfiff, wird sich auch der WM-Trubel wieder legen und zurück bleiben unbrauchbare Bauten und entwurzelte Menschen, die das historische Großereignis auf jeden Fall ein Leben in Erinnerung behalten werden.

 

Foto © Marcelo Nacinovic

 


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