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Wer gesund sein will, muss lernen


Es ist kein Geheimnis, dass die Lebenserwartung in Botswana gerade halb so hoch ist wie in Schweden, und dass die Gefahr, bei der Geburt eines Kindes zu sterben, in Afghanistan zum Alltag gehört, während sie bei uns ein absoluter Ausnahmefall ist. Viel weniger bekannt dagegen ist die Tatsache, dass Gesundheit auch in Österreich eine Frage von Einkommen und Bildung ist. Wie sehr die Chancen auf ein gesundes (und langes) Leben tatsächlich von der Geldbörse abhängen, zeigt ein Blick auf die schockierenden Fakten.

Uns geht’s doch gut!

Wien: Kulturhochburg, Inkarnation von europäischer Zivilisation und Hauptstadt eines Wohlfahrtsstaats. Trotzdem herrscht auch hier eine schier unfassbare Chancenungleichheit, die sich dramatisch auf die Gesundheit der EinwohnerInnen auswirkt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 liegt im reichsten Wiener Bezirk, Innere Stadt, die durchschnittliche Lebenserwartung bei 81,8 Jahren. In Rudolfsheim, dem einkommensschwächsten, nur bei 77,3.

Auch in anderen Bereichen ist der Zusammenhang zwischen niedriger Bildung bzw. geringem Einkommen und Gesundheit markant. In Österreich haben sozio-ökonomisch Benachteiligte eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, unter einem schlechten Gesundheitszustand zu leiden als gut verdienende AkademikerInnen. Sie haben ein höheres Risiko für Bluthochdruck, neigen eher zu gesundheitlichem Risikoverhalten wie zum Beispiel Rauchen, sind öfter von chronischen Krankheiten betroffen und nehmen seltener präventive Gesundheitsmaßnahmen wie Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch.

Bildung oder Geld?

Bisher noch unklar ist, ob diese negativen Folgen direkt von einem niedrigen Bildungsniveau verursacht werden, oder von einem meist daraus resultierenden geringen Einkommen.
Zum Beispiel hat jemand mit Pflichtschulabschluss und Mindesteinkommen ein doppelt so hohes Risiko an starkem Übergewicht, und sogar ein dreifach erhöhtes Risiko an Diabetes zu leiden.
Dies könnte daran liegen, dass höhere Schulbildung mehr Gesundheitsbewusstsein und Wissen über gesunde Ernährung vermittelt, oder daran, dass Menschen, die nicht armutsgefährdet sind, weniger tägliche Belastungen ertragen müssen und den Kopf frei für solch vergleichsweise kleine Probleme haben. Abgesehen davon hat gesunde Ernährung ihren Preis: Vollwertige Lebensmittel wie Schwarzbrot oder frisches Obst und Gemüse kosten im Durchschnitt um ein Drittel mehr als billige Alternativen. (1)

Und auch sonst ist ein gesunder Lebensstil vielfach eine Frage des Preises. Einkommensschwache und niedrig gebildete Menschen leben in Österreich oft in schlechten Wohnverhältnissen, wo sie unzureichende Isolierung oder Schimmel krank machen. Außerdem verrichten viele von ihnen schwere körperliche Arbeit, was ihre Wahrscheinlichkeit, an Wirbelsäulen- oder Gelenksproblemen wie Arthrose, Arthritis oder Rheuma zu erkranken, erhöht.

Weiters haben Bildungsniveau und Einkommen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. So ist es zum Beispiel deutlich wahrscheinlicher, dass ein/e PflichtschulabgängerIn unter Depressionen, Angstzuständen etc. leidet als jemand mit höherem Bildungsstatus. Besonders ausgeprägt ist dies bei Arbeitslosen: Das Risiko eines arbeitsloser Mannes, depressiv zu werden, ist fast achtmal höher als das eines angestellten Normalverdieners.

Der Preis des Privilegs

Fest steht, dass ein langes und gesundes Leben auch in unserer schönen neuen Welt Vorrecht der Privilegierten bleibt, und zwar ein Vorrecht, das um den Preis eines Hochschulabschlusses erworben werden muss. Chancengleichheit, selbst bezogen auf unsere körperliche Verfassung, bleibt bis auf Weiteres also Utopie.

 

Weiterführende Links:

(1) http://www.ugb.de/ernaehrungsplan-praevention/gesund-essen-eine-frage-geldes/

Sozio-demographische und sozio-ökonomische Determinanten von Gesundheit 2006/2007, Statistik Austria

Einkommen und Gesundheit: Soziale Determinanten von Gesundheit und gesundheitliche Ungleichheit, Mag. Nikolaus Patera

Gesund essen – Eine Frage des Geldes?, Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung e.V.

Foto (c) Kenne Deine Rechte

 


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