Kenne Deine Rechte

Von Muskelpaketen und Helden


Mit charmantem Zahnpastalächeln versuchen sie uns den Duft, der Frauenherzen angeblich höher schlagen lässt, einzureden oder das Auto, das man(n!) besitzen muss um männlich zu sein. Das Bild des Mannes: gutaussehend, durchtrainiert und mit einer gehörigen Prise Selbstvertrauen ausgestattet. Diese Darstellung des Mannes kreieren die Medien und vermitteln gekonnt, dass, wenn man nicht diesem Bild entspricht, man(n) den Männlichkeitsstatus verloren hat und nur ein Schwächling ist.

Die Thematik rund um männliche Rollenbilder ist eine, in Relation zu weiblichen Rollenbildern, relativ wenig diskutierte.

Stark muss er sein

Ein Mann muss seine Frau beschützen können, wird oft gesagt. Man(n) ist ja das starke Geschlecht, heißt es. In dieses Rollenbild wird jeder Mann hineingedrückt, wohingegen die wenigsten tatsächlich so sein wollen bzw. so sind. Emotionale Männer werden entweder als homosexuell bezeichnet oder einfach als schwächlich und verachtungswürdig. Doch warum sollte ein Mann nicht Gefühle zeigen dürfen? Es ist ja wohl das gute Recht jedes Menschen die eigenen Gefühle zeigen zu dürfen, wenn nicht, würde man sich ja nur selbst verleugnen. Da das gesellschaftlich aber leider wenig akzeptiert wird, werden Männerberatungsstellen relativ wenig genutzt, da Mann sich sonst schwach vorkommt. Eines muss der Gesellschaft klar werden: Auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt, auch wenn viele, meines Erachtens insbesondere Frauen, meinen, dass es so was nicht geben kann, weil ja schließlich Männer die stärkeren seien.

Ein Adonis muss er sein

Von unzähligen Werbeplakaten schauen sie auf uns herab, durchtrainierte, gutaussehende Männer.

So wird das Schönheitsideal kreiert und die Männer eifern diesem nach. Wenn man ein kleines Bäuchlein hat, wird man schon verspottet. Die Folgen: Minderwertigkeitskomplexe und schlichtweg wahnsinnig große Probleme mit dem eigenen Körper, was bei immer mehr jungen Männern etwa zu Essstörungen führt.

Doch der eigene Körper ist genau so richtig, wie ihn die Person, zu der er gehört, haben will. Niemand anderes hat zu beurteilen, ob diese Person jetzt nun abnehmen oder zunehmen soll. Der eigene Körper gehört nur einem selbst und sonst niemandem. Solange man sich selbst wohl fühlt ist es genau richtig.

Heldenhaft muss er sein

In Videospielen sieht man zumeist mutige, starke Männer, welche eine Dame in Not retten müssen.

Stark überzeichnet, aber dennoch für manch Heranwachsenden Grund für Zweifel an sich selbst. Mitunter fördert auch die Darstellung von Männern in Videospielen das unrealistische Rollenbild des starken, unerschrockenen, heldenhaften und muskulösen Mannes. Doch auch Zeichentrickserien tragen ihren Teil dazu bei.

So wie er will, darf er sein

Die Problemlösung ist eigentlich eine einfache. Wenn in der Werbebranche unterschiedlichste Männer Produkte bewerben würden und nicht nur die (angeblich) perfekt aussehenden, wäre schon viel getan. Es wäre nichts falsch daran, wenn in einem Videospiel auch mal ein nicht durchtrainierter Mann gegen das Böse kämpfen oder er gar von einer Dame gerettet werden würde. Es muss viel stärker kommuniziert werden, dass auch Männer Gefühle zeigen dürfen und nicht „auf starken Macker machen“ müssen. Alle sollten sich mal an der Nase nehmen und darauf achten, ob man vielleicht sogar selbst diese Rollenbilder im eigenen Umfeld fördert und zum Beispiel den eigenen Freund dadurch stark unter Druck setzt. Denn nicht alle Männer sind muskelbepackte Weltenretter.

 

Foto (c) ‘Perfect Man’ – Sudocrem

 


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