Kenne Deine Rechte

Jeder gegen jeden, alle gegen alle


Mit den Definitionen ist es so eine Sache. Setzt man sich beispielsweise aktiv gegen Rechtsextremismus, Faschismus, Rassismus etc. ein, gäbe es bereits eine Vielzahl von Möglichkeiten der Gruppenzuordnung. Ist man nun Antifa- oder Menschenrechtsaktivist? Politisch dem kommunistischen, sozialdemokratischen, grünen oder eher konservativen Lager zuzuordnen? Mitte-links, linksextrem oder gar Mitte-rechts? Der religiösen Nächstenliebe verpflichtet oder vielleicht doch Atheistin? Oder bloß der einfache Bürger von nebenan, der auf seinen Hausverstand hört? Die wichtigste Frage ist jedoch: Sollte das in diesem Fall eine Rolle spielen?! Plädoyer für mehr Einheit im Einsatz gegen menschenverachtende Strömungen.

Die zweite Republik Österreich wurde nach dem zweiten Weltkrieg auf einer antifaschistischen Basis ausgerufen. Wie auch andere betroffene Länder bekannte man sich klar zu einem Staat, der nie wieder unter einem Regime wie dem nationalsozialistischen leiden sollte. Fast 70 Jahre später finden wir uns heute in einem Europa wieder, in dem rechtsextreme Strömungen auf dem Vormarsch sind, dementsprechende Parteien grandiose Wahlergebnisse einfahren und somit Schritt für Schritt wieder salonfähig gemacht werden. Eine antifaschistische Grundeinstellung innerhalb der breiten Masse der BürgerInnen ist dabei immer seltener wahrzunehmen. Der Grund dafür ist aber mit Sicherheit nicht nur in einer Welle der Zustimmung für die fremdenfeindlichen und nationalistischen Inhalte von rechten- bzw. rechtsextremen Parteien zu suchen. Vielmehr liegt hier auch ein Identifikations- bzw. Kommunikationsproblem vor. Bezeichnet man sich als AntifaschistIn, was, wie vorher dargelegt, für jede und jeden BürgerIn selbstverständlich sein sollte (ironischerweise vor allem auch für jene, die behaupten, ihr Land zu „lieben“, da dieses durch den antifaschistischen Konsens überhaupt erst entstehen konnte), wird dies oft mit dem Begriff „Antifa“ assoziiert. Gruppierungen, die als „Antifa“ auftreten, haben also den Antifaschismus gleich als Gesamtpaket gepachtet. Das wiederum könnte die/den einfache/n BürgerIn davon abhalten, sich überhaupt als AntifaschistIn zu bezeichnen. Schließlich möchte man sich zwar gegen Rechtsextremismus einsetzen, sich aber nicht mit dem leider in der Öffentlichkeit bestehenden Bild der vermummten, Pflastersteine werfende DemonstrantInnen identifizieren.

Distanzieren Sie sich!

Wortklaubereien wie diese klingen vielleicht banal, können aber eine Bewegung ins Chaos stürzen. DemonstrationsveranstalterInnen müssen sich von gewaltbereiten AktivistInnen distanzieren, diese wiederum sind sich häufig nicht sicher, ob sie sich von Gewalt distanzieren oder sie als notwendig ansehen sollten. Parteijugendorganisationen sollten sich am besten von allen anderen distanzieren, um nicht in Verdacht zu geraten (vor allem aber von Internetseiten, die im Vorfeld einer Demo das Wort Hass in einem nicht ganz eindeutigen Wortspiel verwenden). AtheistInnen könnten sich im Zuge dessen gleich von KatholikInnen distanzieren, da diese ja an Gott glauben und daher für ein Netzwerk gegen rechts offensichtlich nicht zu gebrauchen sind.

Währenddessen wird es einem großen Teil der Bevölkerung zu bunt und man distanziert sich ganz unbemerkt von der antifaschistischen Bewegung. Dass auch die Politik in dieselbe Kerbe schlägt und es aufgrund parteipolitischer Interessen bzw. Druckmittel bis heute nicht schafft, sich geschlossen gegen Rechtsextremismus zu stellen, ist wenig hilfreich. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich viele Menschen, vor allem Jugendliche, eher von den einfachen, populistischen Botschaften der Rechten, die in sich als Einheit auftreten, locken lassen, als von den Querelen der anderen Lager.

Dabei wäre es gerade in der heutigen Zeit so wichtig, sich geschlossen und entschlossen gegen jegliches Gedankengut zu stellen das auch nur im Entferntesten faschistische, rassistische, nationalistische oder sonstige menschenverachtende Züge aufweist. Dazu braucht es allerdings Einigkeit und den Willen, gemeinsam im Sinne einer demokratischen Gesellschaft zu handeln.

Slogan Foto/Sticker: Filmfaktum 2014


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