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„Vielen Dank für Ihre Bewerbung, aber….“


Yola ist seit 3 Monaten auf der Suche nach Arbeit. Täglich besucht sie das AMS in der Hoffnung, eine neue Stelle zu finden. In ihrem Heimatland Nigeria hat Yola Chemie studiert, doch den Glauben, eine Anstellung als Chemikerin zu finden hat sie längst aufgegeben. Ihr Abschluss könne nicht mit einem in Österreich erworbenen Master gleichgesetzt werden, hieß es von Seiten der Behörden. Stattdessen bot man ihr freie Stellen als Reinigungskraft, als Fabriksarbeiterin oder als Verkäuferin an. Erfolgreich verliefen die Bewerbungsgespräche bisher noch nicht.  „Tut mir leid, aber ich habe vergessen, dass die Stelle doch schon besetzt wurde…“, hört sie des Öfteren.

Vom Arzt zur Pflegekraft

Yola ist kein Einzelfall in Österreich. Dies zeigt die vom ETC Graz durchgeführte Studie „Lebenssituation von „Schwarzen“ in urbanen Zentren Österreichs“ sehr deutlich. Für diese Studie wurden 717 Personen mit schwarzer Hautfarbe in den Städten Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck zwischen März und Oktober 2012 zu den Themen Recht, Gesundheit, Arbeit und öffentlicher Raum befragt. Die „schwarze“ Minderheit ist bereits seit etlichen Jahren in Österreich ansässig. Viele haben Familie, sind längst tief verwurzelt in der österreichischen Gesellschaft. Dennoch sind rund 19 % von ihnen als arbeitslos beim AMS gemeldet, ein Wert, der, verglichen mit der nationalen Arbeitslosenquote von 9.5 % eine deutliche Diskrepanz aufzeigt.

Auch wenn AST – die Anlaufstelle für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen – sich bemüht, alle Betroffenen mit nötigen Informationen zu versorgen, so ist die große Mehrheit der „schwarzen“ Bevölkerung als Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt und nur 1.7 % als leitende Angestellte oder leitender Angestellter beziehungsweise als Beamter oder Beamtin. Ein recht hoher Anteil hingegen – knapp 8 % – verdient den Lebensunterhalt als Selbstständiger oder Selbstständige. Die Vermutung liegt nahe, dass eine Arbeit als Abwaschkraft, wenn man in seinem Heimatland ausgebildeter Koch ist, auf Dauer nicht sehr befriedigend sein kann.

Hürden über Hürden

Doch mangelnde Anrechnung von Qualifikationen sind keineswegs die einzigen Steine, die Arbeitssuchenden in den Weg gelegt werden. 42 % gaben an, aufgrund von mangelnden Deutschkenntnissen abgelehnt worden zu sein. 43 % waren der Meinung, aufgrund der Tatsache, nicht österreichische Staatsbürgerin beziehungsweise nicht österreichischer Staatsbürger zu sein, den Posten nicht bekommen zu haben. 41 % hatten schließlich das Gefühl, die Hautfarbe hätte bei der Ablehnung eine entscheidende Rolle gespielt.

Wichtig ist hingegen, dass sozial stärkere Menschen mit 33 % weniger Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben als sozial schwächere mit 49 %.

„Gleichheit auf dem Arbeitsmarkt ist ein Wert, der in Österreich erst erkämpft werden muss“, meint Werner Anzenberger von der AK Steiermark bei der gestrigen Podiumsdiskussion.

Hat man nun erst mal einen Arbeitsplatz gefunden, so sieht es bei weitem noch nicht rosig aus. Ein Drittel wurden Opfer rassistischer Diskriminierung am Arbeitsplatz, davon ein Drittel von Seiten ihres Chef oder ihrer Chefin, ganze 70% von Seiten ihrer Kollegen und Kolleginnen.

Zahlen und Fakten: Was nun?

Zahlen über Zahlen, Fakten über Fakten. Wie geht man nun am besten mit dieser Zahlenflut um? Welche Schlüsse und Empfehlungen können gezogen werden? Einen ganzheitlichen Ansatz,  Aufklärungsarbeit sowie Sensibilisierung innerhalb der gesamten Bevölkerung fordert Godwill Eyawo, Geschäftsführer des MigrantInnenbeirates der Stadt Graz. Nur die Symptome und nicht die Ursache zu bekämpfen wird auf Dauer keine Probleme lösen. Oder wie Landtagsabgeordneter Eduard Hamedl in Vertretung von Bürgermeister Siegfried Nagl zum Schluss anmerkt, man solle sich „auf die Stärken, die ihre Leute haben wie zum Beispiel Musik“ konzentrieren. Ob eine solche Begabung auf über eine Milliarde aus Afrika stammende Menschen zutrifft, sei dahingestellt.

 

Foto: Podiumsdiskussion, 20.3.2014/ETC Graz

am Podium (von li nach re): Kleinferchner (Stadtpolizeikommando Graz), Vollath (Integrationslandesrätin), Eyawo (MigrantInnenbeirat), List (OLG Graz), Hamedl (Landtagsabgeordneter iV Bürgermeister Nagl), Ederer (Landtagsabgeordneter iV Gesundheitslandesrat Drexler), Anzenberger (AK Steiermark), Starl (ETC Graz, Studienautor), Schmidlechner (Universität Graz) Philipp (ETC Graz, Studienautorin)

 


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