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Wo sich Himmel und Hölle treffen


Weite Steppen, wilde Tiere und atemberaubende Küsten, das sind oft die ersten Bilder, die einem beim Gedanken an Südafrika in den Sinn kommen. Und tatsächlich: Dieses Land, insbesondere das Western Cape, hat so einiges zu bieten: Kapstadt ist eine aufregende Stadt und der Blick vom Tafelberg ist einfach atemberaubend. Rund um die Stadt kann man sich an traumhaften Stränden erholen und die luxuriösen Villen bewundern. Fährt man von Kapstadt weiter nach Nordosten, gelangt man in die Winelands, die überall auf der Welt für ihren erstklassigen Wein bekannt sind. Mittendrin liegt die Stadt Stellenbosch und man hat den Eindruck, nie einen idyllischeren Ort gesehen zu haben.

Der Reichtum mag zuerst nicht verwunderlich sein, denn schließlich ist Südafrika das reichste Land auf dem afrikanischen Kontinent und von dem Geld, das in ganz Afrika erwirtschaftet wird, stammt ein Viertel aus Südafrika. So kann man sich rasch vom schönen Schein täuschen lassen und vergessen, dass es sich bei Südafrika trotz allem um ein Land des (globalen) Südens handelt. Denn hinter der Fassade befindet sich eine ganz andere Welt, eine Welt aus Wellblech, Pappe und Brettern, die für einen großen Teil der südafrikanischen Bevölkerung die bittere Realität darstellt.

Ein Meer aus Blech und Pappe

Sobald man den Cape Town International Airport verlässt, erkennt man, was eines der größten Probleme dieses Landes ist: die riesige Kluft zwischen Arm und Reich.

Plötzlich findet man sich auf einer Autobahn wieder, die auf beiden Seiten kilometerlang mit Wellblechhütten, den sogenannten Shacks, gesäumt ist. Diese Gegenden werden als Townships bezeichnet. Ausreichende Sanitäranlagen, Strom und fließendes Wasser gibt es hier selten. Regierungsstatistiken zufolge haben rund 60% der SüdafrikanerInnen ein Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 500 Rand (etwa 35€) im Monat und leben damit unterhalb der südafrikanischen Armutsgrenze (600 Rand bzw. 40€ pro Monat).

Auffällig ist: Es sind hauptsächlich „schwarze“ SüdafrikanerInnen, die in Armut leben. Doch auch viele „Weiße“ haben ihre Lebensgrundlage verloren, so dass auch „weiße“ Townships entstehen, was angesichts der Geschichte verwunderlich scheinen mag. Schließlich gab es, aufgrund der Vorherrschaft der „weißen“, europäisch-stämmigen Bevölkerung über alle anderen Bevölkerungsgruppen bis 1994 eine unangefochtene Trennung zwischen „Schwarz“ und „Weiß“, die sogenannte Apartheid.

Wenngleich es auch verarmte „Weiße“ gibt, so sind die Einkommensunterschiede zwischen „Schwarz“ und „Weiß“ so groß wie in kaum einem anderen Land der Welt. Während die Mehrheit der „Schwarzen“ in ärmlichen Hütten lebt und mit dem Notwendigsten auskommen muss, so lebt die Mehrheit der „Weißen“ nach wie vor in beträchtlichem Luxus, abgeschottet durch Mauern und Alarmanlagen.

Fehlende Arbeitsplätze sind das wohl dringendste Problem des Landes. Nach Regierungsangaben liegt die Arbeitslosigkeit seit 2005 bei rund 25 Prozent, inoffiziell wird sie noch viel höher geschätzt. Viele versuchen sich durch den informellen Sektor über Wasser zuhalten. Sie bieten zum Beispiel an, Autos auf den öffentlichen Parkplätzen gegen eine kleine Entlohnung zu bewachen. Viele Frauen arbeiten inoffiziell als Haushaltshilfen.

Daneben ist die sehr hohe Zahl an HIV-infizierten Menschen äußerst problematisch. Es gibt keine offiziellen Angaben, aber nach Einschätzungen des HIV-Institutes der Universität Stellenbosch liegt gerade in den Townships der Anteil der HIV-Infizierten bei über 50 Prozent. Als Folge der vielen HIV-Erkrankungen ist die Sterberate unglaublich hoch.

Bildung als Rettungsanker

Ein Hauptgrund für die schlechte Situation ist wohl mangelnde Bildung, vor allem in den Townships. Den Schlüssel für eine bessere Zukunft sehen viele darum in einer Reform des Bildungssystems. Fast 50 Prozent der 15- bis 24-jährigen Jugendlichen, die in den Townships Südafrikas aufwachsen, finden nach ihrem Schulabschluss keine Arbeit und fast ein Drittel aller Kinder verlässt die Schule ohne qualifizierenden Abschluss.

Ein fester Job ist aber eine wichtige Grundvoraussetzung, um der Armutsfalle zu entkommen. Darum versucht man gezielt Maßnahmen zur Bildungsförderung in Townships umzusetzen, um zumindest der jungen Generation die Voraussetzungen für ein besseres Leben mitzugeben. Das fängt bereits bei sehr einfachen Projekten an. So unterstützen zum Beispiel viele StudentInnen der Universität Stellenbosch im Rahmen eines Volunteering-Projekts regelmäßig die LehrerInnen in den Townships Kayamandi und Lynedoch. Hier wird jede Hilfe geschätzt, denn normalerweise kommen etwa 60 Kinder auf eine Lehrkraft. Doch trotz des starken Engagements im ganzen Land ist es im Moment wohl noch nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

 

Quelle der Daten:

Poverty in South Africa: A profile based on recent household surveys (Armstrong, Paula/Lekezwa, Bongisa/Siebrits, Krige 2008)

 


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