Kenne Deine Rechte

Tonlage braun


Musik – immer schon eines der besten Mittel zum Ausdruck von Gedanken, zur Meinungsbildung und auch zur Manipulation, vor allem für junge Menschen. So gut wie jedes Thema wurde schon in Liedern behandelt, jede Gefühlslage vertont. Man macht Musik, um seine Freude, Melancholie, Ängste oder Herzschmerz auszudrücken. Musik kann aber auch eine hässliche Fratze haben, wie man immer wieder auf schockierende Art und Weise feststellen muss.

Die Gesellschaft und das System, in dem wir leben, machen es uns heutzutage nicht gerade einfach. Jugend ohne Perspektiven, hohe Arbeitslosigkeit – es gibt viele Gründe dafür, dass vor allem Jugendliche immer häufiger in Kreisen verkehren, in denen sie Stärke und Halt vermuten. Rechte Gruppierungen setzen genau hier an und vermitteln dieses Gemeinschaftsgefühl. Die Musik ist ihr Ausdrucksmittel und hilft dabei, junge Menschen zu ködern. Naziparolen werden gegrölt, das Wiederaufleben der NS-Zeit wird herbeigesehnt und viele strecken enthusiastisch den rechten Arm in die Höhe. Auch wenn man sich solche Szenen im 21. Jahrhundert schwer vorstellen kann, wird immer wieder aufgezeigt, dass sie zur Realität gehören, zuletzt beispielsweise im Film „Blut muss fließen“, der zeigt, wie sich der Journalist Thomas Kuban zehn Jahre lang in die Neonazi-Szene eingeschleust und rechtsradikale Konzerte verdeckt gefilmt hat. (mehr dazu auch in der aktuellen Ausgabe unter Blut muss fließen)

Auch politisch einschlägige Parteien, wie beispielsweise die NPD in Deutschland, setzen auf Rechtsrock als Stimmenfang bei jungen Menschen. So gibt es seit einigen Jahren die Aktion „Schulhof-CD“, bei der gratis Sampler, vollgepackt mit rechtsextremen Musikstücken, vor Schulen verteilt werden, um die strammen Recken der Zukunft zu rekrutieren.

 „Plötzlich Patriot“ – die neue Heimatliebe

Abseits von eindeutigen Strömungen, die auch rechtlich zweifellos dem Verbotsgesetz unterliegen und sofort erkennbar sind, sehen wir uns heutzutage aber mit einem neuen, komplexeren Problem konfrontiert. Rechte Ideologien und Werte kommen immer mehr in der Mitte der Gesellschaft an und finden dort Akzeptanz oder werden verharmlost, was sich auch auf die Musik auswirkt. Die neuen Rechten singen von Heimatliebe, Stolz auf ihr Land und „patriotischen“ Gefühlen. All das natürlich auf legale Art und Weise, um die breite Masse zu erreichen. Dass es sich bei den vermittelten Botschaften im Grunde um puren Nationalismus handelt, scheint nicht erkannt zu werden oder nebensächlich zu sein. Man ist schließlich wieder stolz auf sein Land. So singt zum Beispiel die Band Frei.Wild, die aufgrund der heftigen Kontroversen in den letzten Wochen und Monaten wohl nicht mehr genauer vorgestellt werden muss, über ihre Heimat: „Kurz gesagt, ich dulde keine Kritik an diesem Heiligen Land, das unsere Heimat ist“, oder „Südtirol, du bist noch nicht verloren, in der Hölle sollen deine Feinde schmoren“.

Wohin dieser nationalistische Einschlag führen kann, hat uns die Geschichte schon des Öfteren gelehrt. Die extreme Liebe zur Heimat, welche hier propagiert wird, schlägt nicht selten in Hass auf das Andere, das Fremde um. Sobald diese Einstellung salonfähig wird und es keine Aufklärung und Kräfte, die dem entgegenwirken, mehr gibt, steht einem Schritt ins vorige Jahrhundert nichts mehr im Wege.


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