Kenne Deine Rechte

Das schreckliche Geschäft mit der „Ware Mensch“


Ein Job als Kellnerin in Österreich. Ein Traum geht für die junge Frau in Erfüllung. Eine Chance auf ein besseres Leben. Doch kaum angekommen, zerplatzt dieser Traum wie eine Seifenblase. Sie habe ziemlich hohe „Reiseschulden“ angehäuft, diese müsse sie erst abarbeiten. Als Prostituierte. Von der versprochenen Arbeit als Kellnerin wird nie wieder die Rede sein.

Dieses oder ein ähnliches Schicksal teilen rund 23.000 Menschen in Europa. Die Zahl der Opfer von Menschenhandel innerhalb der EU steigt, während immer weniger Täter verurteilt werden.

Wenn der Traum zum Albtraum wird

Die Menschenhändler wenden immer wieder dieselben Tricks an. Oft versprechen sie den Opfern Arbeit als Kellnerinnen, Masseurinnen oder Kinderbetreuerinnen in den wohlhabenderen EU-Staaten. Die Jobs, die dann wirklich auf sie warten, sind von ganz anderer Natur. Oder die Händler beteuern den Betroffenen ihre große Liebe und versprechen ihnen ein besseres Leben im Ausland. Doch erst einmal im neuen Heimatland angekommen, ist von der vermeintlich großen Liebe plötzlich nichts mehr zu spüren. Die Opfer werden meist zu Sexarbeit gezwungen, aber auch zu anderer Zwangsarbeit, Bettelei, Straftaten oder Organentnahme. Kooperieren die Betroffenen nicht, machen die Händler sie sich durch Gewalt, Vergewaltigung und Drohungen gegen sie und ihre Familien gefügig. Mehr als zwei Drittel der Opfer sind Frauen, 15 % Kinder. Sie werden gehandelt wie Waren, auf schreckliche Weise ausgebeutet und dann weiterverkauft. Das alles mitten unter uns, mitten in Europa.

Schauplatz Österreich

„Österreich ist mittendrin im Menschenhandel“, sagt Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle im Bundeskriminalamt zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels. Was er damit meint, ist, dass sowohl viele Menschen über Österreich in andere EU-Staaten verschleppt werden als auch, dass Österreich selbst als Zielland für Menschenhändler attraktiv ist. Österreich muss dringend aktiv werden im Kampf gegen den Menschenhandel. Besonders angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Opfer von Menschenhandel innerhalb der EU zwischen 2008 und 2010 um 18% gestiegen ist, die Zahl der verurteilten Täter aber um 13% gesunken. 76% der Täter stammen aus der EU ebenso wie 64% der Opfer, diese meist aus den osteuropäischen Staaten. Worauf die steigenden Opferzahlen zurückzuführen sind, ist weitgehend unklar. Ein möglicher Grund ist die mangelnde Aufklärung der Betroffenen, die sich oft selbst gar nicht als solche sehen, sondern immer noch auf die ihnen in Aussicht gestellte „bessere Zukunft“ hoffen. Oder sie werden von den Händlern so unter Druck gesetzt, dass sie sich nicht trauen sich bei der Polizei zu melden. Zudem ist Menschenhandel eines der am schwersten nachweisbaren Verbrechen. Vor allem in Österreich ist es aufgrund der von Bundesland zu Bundesland verschiedenen Gesetze die Sexarbeit betreffend schwer herauszufinden, welche der ArbeiterInnen dazu gedrängt wurden und welche diesem Geschäft freiwillig nachgehen.

Nur sechs von 27 Staaten…

Trotz dieser erschreckend hohen Zahlen wurde die EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels, die eigentlich am 6. April hätte erfüllt werden müssen, erst von sechs der 27 Mitgliedsstaaten umgesetzt. Diese soll die Opfer in ihren Rechten stärken und den Kampf gegen den Menschenhandel einfacher machen. Auch Österreich hat Nachholbedarf. Sollte sich an der Situation nicht bald etwas ändern, wird die Europäische Kommission Maßnahmen gegen die säumigen Staaten ergreifen. Denn wie auch die EU-Kommissarin Cecilia Malmström sagte: „Es ist schwer vorstellbar, dass in unseren freien und demokratischen EU-Ländern Zehntausenden Menschen die Freiheit entzogen wird, dass sie gehandelt werden wie Waren. Doch das ist die traurige Wahrheit: Menschenhandel ist überall um uns herum, näher als wir denken.”


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