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Das etwas andere Dorf wird 20


„Wer nicht einmal einen Stein hat, auf den er sein Haupt legen kann, der sei willkommen“.

Am Anfang war ein Container. Er bildete am 1. Dezember 1993 den Grundstein für das von Pfarrer Wolfgang Pucher gegründete VinziDorf, das neben der Grazer St.-Leonhard-Pfarre errichtet wurde. Damals waren es 13 Obdachlose, die durch das Leben auf der Straße und den Alkohol gesundheitlich angeschlagen waren und in dem Containerdorf ein neues Zuhause fanden.

Heuer feiert das VinziDorf sein 20-jähriges Jubiläum und mittlerweile ist es weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Seit seiner Gründung hat es zahlreichen Männern geholfen, von einer aussichtslosen Situation den Weg zurück in ein würdevolles Leben zu finden.

Aus der Bahn geworfen

Der soziale Status und das Milieu sind nicht in allen Fällen der Grund dafür, eines Tages auf der Straße zu landen. Oft bringt ein Schicksalsschlag einen bis dahin rundum zufriedenen Menschen vom Weg ab und verhindert den Wiederanschluss an die  Gesellschaft.

Der Alkohol macht einigen ihr Schicksal erträglicher. Alkoholabhängigkeit ist eine schwere Krankheit und es kann gut vorkommen, dass ein Betroffener, wenn er die Wahl zwischen einem Bett und einer Flasche hat, sich automatisch für die Flasche entscheidet. Viele Betroffene werden wegen ihrer Abhängigkeit in keine bestehende Einrichtung aufgenommen, weil sie die Auflagen nicht erfüllen können.

Im VinziDorf geht es nicht darum, die Männer zu therapieren. Der Alkoholkonsum wird nicht beschränkt, es ist aber schon vorgekommen, dass sogar schwer alkoholkranke Männer diesen von selbst reduziert haben. Der Grund dafür scheint darin zu liegen, dass die Männer im Dorf ein wenig Heimat finden und in ihrem durcheinander gekommenen Leben wieder Stabilität erhalten.

Eine ganz besondere Dorfgemeinschaft

Im VinziDorf schaut die Welt für die meisten Bewohner ganz anders aus. Die Männer, die an den gesellschaftlichen Rand gedrängt waren, werden von einigen Sorgen befreit und dürfen einfach leben. Sie bekommen eine Unterkunft und die Möglichkeit, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen – ohne Einschränkungen und Auflagen.

Zwei hauptamtliche und viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen bemühen sich, die Bewohner in eine Dorfgemeinschaft zu integrieren, in der sie die Möglichkeit haben, sich wieder an ein „normales“ Leben zu gewöhnen. Ziel ist es nicht, die Männer zu verändern, sondern ihnen einen Platz zu bieten, an dem sie Geborgenheit und Menschlichkeit erfahren. Trotz alltäglicher Schwierigkeiten wachsen die Männer im Dorf zu einer engen Gemeinschaft zusammen, in der sie viel miteinander teilen, denn eine Gemeinsamkeit verbindet alle Bewohner: Jeder von ihnen weiß, was es bedeutet, nicht mehr weiter zu wissen und am Ende zu sein.


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