Kenne Deine Rechte

“Nein, DU nicht“


Stell dir vor, du willst dich gemütlich in ein Lokal setzen oder mit FreundInnen einen Club besuchen. Du hast dich auf den Abend gefreut und alles ist in bester Ordnung. Soweit nichts Besonderes, oder? Doch beim Eingang versperrt dir ein Türsteher den Weg und verweigert dir den Zutritt.

Neulich vor einem Wiener Nachtlokal, wir waren in einer kleinen Gruppe unterwegs: Der Türsteher fragte nach unseren Ausweisen und winkte die ersten von uns durch die Tür. Dann, bei unserem albanischen Freund: „Nein, DU nicht.“ Zuerst waren wir nur verwundert, da er doch alt genug ist und versuchten das vermeintliche Missverständnis aufzuklären. Über die Reaktion auf die Frage, warum er denn nicht hinein dürfe, waren wir dann alle schockiert: „ER nicht“, meinte der Türsteher nur abschätzig und schob ihn beiseite.

Kein Einzelfall

„Auf Grund des Geschlechts oder der ethnischen Zugehörigkeit darf niemand unmittelbar oder mittelbar beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich Wohnraum, diskriminiert werden“, heißt es im Gleichbehandlungsgesetz. Das Verbot der Diskriminierung ist außerdem ein fester Bestandteil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sprich: Alle Menschen haben das Recht gleich behandelt zu werden. Ohne Einschränkungen, ohne Diskriminierung. Und doch ist diese Form von Alltagsrassismus leider keine Seltenheit, viel zu oft wird Menschen, die „ausländisch ausschauen“, der Zutritt zu Lokalen verweigert.

Das beweist auch ein vom Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (ZARA) im Mai 2012 durchgeführtes „Lokal-Testing“. Bei diesem Test versuchten Testpersonen mit weißer und dunkler Hautfarbe, alle männlich, in derselben Altersgruppe und adäquat für das Wiener Nachtleben gekleidet, in verschiedenen Wiener Nachtclubs Einlass zu bekommen. Die traurigen Ergebnisse des Versuchs deuten auf eine rassistische Einlasspolitik in der österreichischen Hauptstadt hin: Zwei der sieben getesteten Lokale fielen durch. Mit der Ausrede „Nur für Stammgäste“ begründeten die Türsteher die Zutrittsverweigerung für Testpersonen mit dunkler Hautfarbe, wobei weißen Nicht-Stammgästen der Zutritt anstandslos gestattet wurde. ZARA führte diesen Versuch im Rahmen der European Testing Night durch. In sechs Ländern (neben Österreich noch in Frankreich, Italien, Norwegen, Rumänien und Serbien) fanden zeitgleich Lokal-Testings statt. Das Ergebnis: In jedem vierten getesteten Lokal wurden rassistische Einlassverweigerungen festgestellt.

Um keine Ausrede verlegen

Viele Opfer der rassistischen Einlasspolitik haben sich schon an die ZARA-Beratungsstelle gewandt, Vorfälle dieser Art zu vermeiden ist allerdings schwierig. Türsteher sind ja bekanntlich die, die über den weiteren Verlauf des Abends entscheiden. Zwar sind sie nicht befugt, ihre BesucherInnen auf rassistische Weise zu selektieren, aber sie dürfen eben doch „entscheiden, wer zu ihrem Lokal passt“ – da ist eine passende Ausrede schnell gefunden.

Ob diese Ausreden vor Gericht immer halten, wird sich von Fall zu Fall zeigen. Eins ist jedenfalls fix: Wir haben beide Augen offen und Rechtswidrigkeiten werden immer mehr auf- und angezeigt.

 

P.S. Wir werden das Wiener Nachtlokal jedenfalls, auch ohne unseren albanischen Freund, nicht mehr aufsuchen. Und für die schlechte Nachred‘ sorgen wir natürlich auch.


Das könnte dich auch interessieren