Kenne Deine Rechte

„There’s no place like home“


Die Vögel zwitschern und die ersten Sonnenstrahlen kitzeln mich im Gesicht als ich mich an einem schönen Juni-Morgen auf den Weg ins Megaphon-Büro mache. Ich spaziere durch den Augarten zum Megaphon-Café Auschlössl. Dort treffe ich auf Georg Andree, einen Mitarbeiter von Megaphon, der für den Vertrieb und für die Abos zuständig ist. Herr Andree erklärt mir, welche Ideen hinter dem wohl bekanntesten steirischen Straßenmagazin stecken: Megaphon ist kein gewöhnliches Magazin. Es ist eine soziale Initiative, die es vor allem AsylwerberInnen ermöglicht zu arbeiten. Es ist somit eine Ausnahme, da es unter normalen Umständen verboten ist, während eines Asylverfahrens Geld zu verdienen. Einige der VerkäuferInnen stecken mitten im Asylverfahren, andere haben es bereits abgebrochen oder warten auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Zurzeit arbeiten etwa 180 VerkäuferInnen in und rund um Graz. Der Andrang ist groß. Es gibt immer eine Menge Leute, die auf der Warteliste stehen, besonders seit der Einführung des Bettelverbots ist die Zahl der InteressentInnen gestiegen. Doch Herr Andree hat nur eine limitierte Anzahl von Standorten zur Verfügung und kann daher nicht allen den Weiterverkauf ermöglichen. Erhält jemand eine fixe Aufenthaltsgenehmigung, sucht er sich einen anderen Job. Genau wie Chiabua Ekeme, der im Juli 2011 seinen Standort am Südtirolerplatz verlassen hat…

 

Als Chiabua Ekeme 2006 anfing als Megaphon-Verkäufer zu arbeiten, war es nicht leicht für ihn. Er kam ohne seine FreundInnen nach Österreich, und es dauerte einige Zeit bis er sich an die österreichischen „Umgangsweisen“ gewöhnte. Verstehen kann er sie bis heute nicht. Mittlerweile nennt er Österreich aber sein zweites „Zuhause“. Er lernte seine nigerianische Frau in Österreich kennen und gründete mit ihr eine Familie. In Nigeria, seiner Heimat, sah er keine Zukunft mehr für sich. Die schlechte Gesundheitsversorgung, die Korruption und der gewaltige Unterschied zwischen arm und reich belasteten ihn sehr. Trotzdem wünscht er sich nichts mehr, als eines Tages zurückzukehren, um wieder in seiner Heimat leben zu können. „There is no place like home, you know.“

 

In seiner Freizeit singt und tanzt Chiabua gerne. Als ich ihn frage, ob er in Österreich auch tanzen geht, springt er unmittelbar auf und fragt mich: „Should I dance now?“. Die Offenheit, mit der Chiabua mir seine Vergangenheit und Gegenwart detailliert schildert, lässt mich schnell verstehen, dass seine Kultur mit der österreichischen wenig gemein hat. Ob er schlechte Erfahrungen gemacht hat? Ja, des Öfteren. Einmal wurde er sogar angespuckt mit den Worten „Go back to your country!“. In Nigeria würde man so etwas nie tun. „ Everybody is welcome in Africa!“. Er fragt mich ob ich ihm erklären kann, warum manche ÖsterreicherInnen eine derartige Abneigung gegenüber AusländerInnen empfinden. Doch ich finde keine Antwort, die seine Erlebnisse rechtfertigen würde.

 

Aber nicht nur das Negative scheint zu Chiabua durchgedrungen zu sein. Er ist sehr zufrieden mit dem, was er hat. Er ist glücklich, dass er in Österreich, einem so sicheren Land, arbeiten darf und seine Kinder hier großziehen kann. Die Arbeit bei Megaphon brachte ihm schließlich viel Positives. Er gewann FreundInnen und hatte stets StammkundInnen, die einmal im Monat nur bei ihm einkauften. Und das Megaphon-Büro sucht er auch noch regelmäßig auf. So wie an diesem Tag, als er Georg Andree, seinem „personal lawyer“ und guten Freund, einen Besuch abstattet.

Herzlichen Dank an Herrn Chiabua Ekeme und Herrn Georg Andree für das Gespräch.

 


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