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Österreich vs. Facebook: 1:0


Gesichtsverlust für das weltweit größte (a)soziale Netzwerk

Die wachsende Konkurrenz durch Google+ und die Anzeigen von Europe v. Facebook bei der irischen Datenschutzbehörde kommen für den Online- Riesen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Facebook plant für Sommer 2012 den Gang an die Börse.

Darum wird abgewiegelt, beruhigt, heruntergespielt. Doch sogar DAS zeigt, dass der Wiener Max Schrems mit seiner Organisation Europe v. Facebook einen ersten Sieg davongetragen hat. Normalerweise ist es für JournalistInnen unmöglich, an die Menschen heranzukommen, die hinter Facebook stehen. Dass sie jetzt von selbst aus ihren digitalen Löchern kriechen und eine Presseerklärung abgeben, zeigt, wie weh die Feststellung der irischen Datenschutzbehörde dem sozialen Netzwerk getan hat.

Katastrophale Datenschutzbestimmungen

Der Wiener Jusstudent Max Schrems fand bei einem Studium in den USA heraus, dass Facebook sich weltweit an den amerikanischen Datenschutzbestimmungen orientiert, die nicht annähernd dasselbe
Schutzniveau bieten wie jene der EU. Tatsächlich müsste sich Facebook, das seinen Sitz auch in Irland hat, zumindest hinsichtlich seiner europäischen NutzerInnen an die EU-Datenschutzbestimmungen halten (mehr dazu). Weil der Konzern das nicht tut, schlug Schrems mit seinen MitstreiterInnen der irischen Datenschutzbehörde vor, Facebooks Geschäftsbedingungen einer Überprüfung zu unterziehen. Diese prüfte alle Punkte und arbeitete „Empfehlungen“ aus, denen zufolge große Änderungen in Facebooks Allgemeinen Geschäftsbedingungen gemacht werden müssen. Hält sich die Plattform nicht daran, ist eine Strafe von bis zu 5% des Unternehmensgewinns möglich. Das wäre fatal für den Konzern, man darf also gespannt sein.

Was Facebook weiß

Hier ein Überblick über die Bestimmungen der irischen Datenschutzbehörde:

  • Facebook muss allen NutzerInnen, die eine Kopie der Datensätze verlangt haben, alle über sie gespeicherte Daten herausgeben.
  • Facebook darf NutzerInnendaten nur noch beschränkt für gezielte Werbung verwenden.
  • Verfolgung von NutzerInnenaktivitäten außerhalb von Facebook mittels des „Like-Buttons“ darf nicht mehr vorgenommen werden.
  • Die NutzerInnenbilder dürfen nicht mehr für die Bewerbung gewisser Produkte eingesetzt werden, wenn der/die NutzerIn nicht ausdrücklich zustimmt.
    Die NutzerInnen müssen eine Möglichkeit erhalten Daten wirklich zu „löschen“. Bisher wurden gelöschte Daten weiter von Facebook behalten.
  • NutzerInnen dürfen nicht mehr ohne ihre Zustimmung zu Gruppen hinzugefügt werden.
  • Von IP-Adressen welche mit Social-Plugins (zum Beispiel Like-Button) gesammelt werden, müssen die letzten die Zahlen gelöscht werden.
  • Bei Anwendungen dürfen die NutzerInnendaten von Dritten (z.B. Freunden) nur noch limitiert an die Anwendung weitergeleitet werden.
  • Die Gesichtserkennung auf Facebook wurde illegal aktiviert. Alle NutzerInnen müssen nun erneut zustimmen Facebook muss sicherstellen, dass MitarbeiterInnen nur die Daten zu Gesicht bekommen, die für ihre Arbeit unbedingt notwendig sind.
  • Facebook muss sicherstellen, dass MitarbeiterInnen nur jene Daten zu Gesicht bekommen, die für ihre Arbeit unbedingt notwendig sind.

Für alle, die es nicht wissen: Derzeit wird jede Nachricht, jeder Status, jedes Foto, jeder Chat und jeder Like von dir zusammen mit deiner IP-Adresse unbegrenzt gespeichert.

Außerdem händigt Facebook US-Behörden ohne besondere Genehmigung alle diese Daten aus, wenn diese es verlangen.

Come to the dark side, we have COOKIES

Das neueste Youporn-Video gefällt dir? Like es doch! Vielleicht gefällt es deinem Chef ja auch.

Unzählige Websites haben inzwischen einen Like Button integriert. Wenn du als Facebook-NutzerIn auf diesen Websites surfst, weiß das soziale Netzwerk das, auch wenn du gerade abgemeldet bist und die
Seite nie geliket hast. Das liegt an sogenannten Cookies, die Facebook bei Internetnutzern hinterlegt. Der Konzern argumentierte, dass „sämtliche Nutzer auch über das Ende einer Facebook-Anmeldung hinaus erkennbar sein müssen, um die Sicherheit des Dienstes zu gewährleisten.“ Da fühlt man sich doch gleich besser, oder?

Mithilfe von Cookies kann Facebook übrigens auch jede Seite, die du besuchst, während du angemeldet bist, erkennen und deinem Profil zuordnen. Auch ohne Like Button.

Fazit? Facebook ist nicht der Teufel des Internets, nicht mal annähernd.

Facebook ist GOTT.

(Im Internet ;))

 

Weiterführende Links und Quellen:

Improving Facebook: The 10 Most Important Conclusions of the Irish Data Protection Commissioner’s Report (Blog by Matthias C. Kettemann, Uni Graz)

Datenschützer stößt bei Facebook-Cookies auf Widersprüche


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