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Am Rande der Gesellschaft


Bettelverbot: Roma als Sündenböcke

Auch in Graz leben einige Roma, und in der Öffentlichkeit wurden meist sie als BettlerInnen wahrgenommen und abgestempelt. Diese diskriminierende Vereinfachung hat auch die polarisierende Diskussion in der Grazer Lokalpolitik beherrscht. Das im Frühjahr 2011 vom Landtag beschlossene Bettelverbotsgesetz hat  BettlerInnen aus den Straßen vertrieben. Das Problem der Lebensverhältnisse der Betroffenen wurde damit einfach aus der Sichtbarkeit verbannt.

Fight the poverty not the poor!

Aber was ist mit diesen Menschen passiert? Das Fotoprojekt „Fight the poverty not the poor“ zeigt es uns. Die Jugendgruppe „ANsichten“ portraitiert im Rahmen des EU Projekts „Jugend in Aktion“ das Leben jener BettlerInnen, die durch das Verbot aus den Grazer Straßen vertrieben wurden. Wo und wie leben sie heute? Für viele der ehemaligen BettlerInnen ist das Grazer VinziNest eine zweite Heimat geworden. Sie verlassen ihre Herkunftsorte immer wieder, weil es ihnen dort am Nötigsten zum Überleben fehlt.  Und genau das bringt die Fotoausstellung zum Ausdruck. Ziel des Projektes ist es, den Betroffenen eine Stimme zu geben.

Den TeilnehmerInnen wurden über einige Monate  Einmalkameras zur  Verfügung gestellt. Sie sollten ihre Sichtweisen und Gegensätze zwischen Graz und ihrer Heimat mit Schnappschüssen dokumentieren. Für viele war es das erste Mal, dass sie überhaupt eine Kamera besaßen. Umso enthusiastischer waren sie im Projekt engagiert.

Beliebte Motive waren Alltagssituationen, Feste, Stadt-  und Straßenszenen an beiden Orten.  Ein Bild zeigt eine Baustelle. Es ist die Ortseinfahrt zu einer Roma-Siedlung, die erneuert werden sollte. Die Baustelle gibt es seit Jahren. Fertiggestellt ist sie bis heute noch nicht. Ob es daran liegt, dass die Mittel für den Bau gestrichen wurden, gerade weil es sich um eine Roma-Siedlung handelt, bleibt offen. Es zeigt aber deutlich den Kontrast zwischen den Wohlstandsverhältnissen in Graz und den Heimatorten der Roma, zum Beispiel in der Slowakei oder in Rumänien.

„Mein Haus stand in Sulukule“

Aus einer anderen Perspektive beleuchtet der Film von Astrid Heubrandtner „Mein Haus stand in Sulukule“ die Alltagsprobleme der Roma in der modernen urbanen Gesellschaft. Sie legt ihr Augenmerk auf genau diese Entwicklungsrückstände der Roma-Minderheit in einer Roma-Siedlung in Istanbul. Ihr Film über die Siedlung Sulukule erzählt die Geschichte des Kampfes der BewohnerInnen gegen die Istanbuler Behörden, die das Viertel „erneuern“  wollten und die frühere dörfliche Struktur durch eine gesichtslose Hochhaussiedlung ersetzt haben.

Durch den Abriss der früheren Siedlung sind nicht nur deren Häuser, sondern auch eine über Generationen gewachsene Kultur zerstört worden. Die gemeinschaftliche Lebensweise der Roma war für die Behörden der Boomtown Istanbul nicht nachvollziehbar. Dennoch funktionierte alles.  Wenn jemand einmal nicht genügend Geld für alltägliche Bedürfnisse hatte, war es normal, dass die anderen DorfbewohnerInnen demjenigen unter die Arme griffen. Ein Gemeinschaftsleben, wie es heutzutage kaum vorstellbar ist. Diese Gemeinschaft wurde zerrissen und lebensfrohe Menschen wurden ihrer Identität beraubt. Sulukule ist heute nicht mehr das, was es früher einmal war.

Foto: © ANsichten

Weiterführende Links:

ANsichten – Fight the poverty not the poor

Logo – Fight the poverty not the poor

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„Mein Haus stand in Sulukule“ – Trailer



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