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Rechtsextremismus – wie groß ist die Gefahr?


Österreich hat durch seine Geschichte ein besonderes Verhältnis zum Thema Rechtsextremismus. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde aus den Resten der Nationalsozialisten (und einigen anderen politischen Gruppen) das dritte Lager als Opposition gegen die traditionellen Parteien der heutigen SPÖ und ÖVP geformt. Heute noch gibt es eine sehr aktive Minderheit, die häufig durch rechtsextreme Aktionen Aufsehen erregt. Durch das Verbotsgesetz* von 1947 wurde nationalsozialistische Wiederbetätigung verboten, aber eine gewisse Interpretationsfreiheit bleibt, was sich Organisationen wie der „Bund freier Jugend“ (BFJ), der 2009 verboten wurde, aber auch Bands wie Landser und Stahlgewitter (siehe Artikel: „Sieg Heil aus Österreich!“ von Florian Supé) zu nutzen machen. Ein genereller Rechtsruck unserer Gesellschaft ist nicht zu leugnen, auch die Jugend wendet sich immer mehr dem Extremen zu.

Was ist Rechtsextremismus?

Durch die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Arten von rechtsextremen Gruppen, wie rechtsextreme Skinheads, schlagende Burschenschaften oder Neonazis, ist es schwer, eine Grenze zwischen den verschiedenen Untergruppen zu ziehen.

Insgesamt beinhaltet aber jede Form von Rechtsextremismus folgende Anschauungen:

– Ablehnung des Prinzips der Gleichheit

– AusländerInnenfeindlichkeit/Rassismus

– Antisemitismus

– Ablehnung der Demokratie

– Gewaltakzeptanz und –bereitschaft

– Wunsch nach starkem Führer

– Schwarz-Weiß Malerei

– Glaube an Weltverschwörungstheorien

Mit modernen Medien wie Chatforen und Websites (z.B. Alpen-Donau-Info, die kurzzeitig aus dem Netz genommen wurdeoder Blood-and-Honour) können sich rechtsextreme Gruppen vermehrt organisieren und verbreiten. Die eigentliche Gefahr, die von solche Gruppen ausgeht, lässt sich jedoch schwer feststellen – zwischen Kader, MitläuferInnen und SympathisantInnen muss man unterscheiden; man will provozieren, und manchmal verbirgt sich hinter der Meinung einer Person keine wirkliche Gefahr, sondern nur leere Argumente bzw. Provokation. Oft verdreht/leugnet/negiert man auch die Realität, um die jeweilige Meinung mit „wissenschaftlichen“ Hintergründen zu verstärken. Das beste Beispiel hierfür ist wohl Sozialdarwinismus: Man beruft sich auf die Theorie Darwins, um die von Neonazis gepredigte Ungleichheit von verschiedenen Menschengruppen zu erklären. Ein Teil ist jedoch sicher gewaltbereit und es steht außer Frage diese Ideologien aktiv zu bekämpfen.

Beim Unterscheiden zwischen gefährlich und ungefährlich muss man viele Faktoren, wie Alter und politische Einstellung von FreundInnen und Familie in Betracht ziehen, z. B. ist nicht jeder Rechtsextremist gleich Neonazi, jedoch ist jeder Neonazi Rechtsextremist.

 

Die Jugend – Hauptsache Extrem?

Der Reiz, den viele Jugendliche an dieser Szene verspüren, ist derselbe wie auch bei anderen Jugendorganisationen – man sucht Leute mit ähnlichen Meinungen und Interessen, Gemeinschaft und Geborgenheit. Zusätzlich sucht man nach Aufmerksamkeit, nach Wegen zu schockieren, nach einer Identität. Auf gewisse Weise lassen sich solche Gruppen mit Sekten vergleichen – es gibt einen Anführer und ein starkes Rollenverhalten, Entscheidungen werden einem zunehmend abgenommen, wenn auch unbewusst. Je tiefer man hineingezogen wird, desto schwerer wird es, die Szene zu verlassen. Interessanterweise verstärkte sich der bis jetzt eher geringe Frauenanteil in letzter Zeit auf schätzungsweise 30%, obwohl Frauen in der Szene als minderwertig und schwach gesehen werden.

Wie geht man damit um?

Die Einstellung vermeiden kann man nur sehr schwer, jedoch kann man versuchen, anhand von richtiger Bildung, Aufklärung und Behandlung des Themas in Schulen, aber auch im Freundeskreis und im familiären Umfeld (z.B. durch außerschulische Workshops), der extremen Meinungsbildung vorzubeugen.

Offensiv dagegen vorzugehen wäre meiner Meinung nach der falsche Ansatz, da sich junge Menschen in dieser Szene noch mehr von anderen abgrenzen würden. Ähnlich wie in Sekten ist man durch die Schwarz-Weiß-Malerei entweder ein Teil von ihnen oder gegen sie, gut oder böse. Das österreichische Verbotsgesetz bietet zwar eine gute Basis, wird aber nicht streng genug durchgesetzt, was man am Beispiel von Gmunden 2003 bestens sieht: Das bis jetzt größte österreichische Rechtsrockkonzert mit über 2000 Menschen fand dort statt; trotz Verstoß gegen das Wiederbetätigungsverbot kam es aber zu keinen Sanktionen.Moderne Medien tragen auch ihren Teil dazu bei, Rechtsextremismus bzw. Rechtsrock zu verbreiten und zu verstärken, weshalb ein stärkeres Internetgesetz durchaus sinnvoll wäre. Abgesehen von Gesetzen und deren konsequente Umsetzung sollte man in Schulen vermehrt darauf achten, genügend über die Gefahren solcher Ideologien und Gruppen aufzuklären, auch Sozial- bzw. Jugendarbeiter sollten über das Thema bestens informiert sein.

*Verbotsgesetz 1947: Die NSDAP, ihre Wehrverbände und sämtliche zusammenhängende Organisationen wurden aufgelöst, auch jede Betätigung im nationalsozialistischen Sinne ist verboten (inkl. öffentliche Leugnung, Verharmlosung, Gutheißung und Rechtfertigung nationalsozialistischer Verbrechen)

Fachbroschüren zum Thema:

(Bestellung unter Logo Jugendmanagement)

Wer fürchtet sich vorm weißen Mann? Rechtsrock und rechte Szene, eine Bestandsaufnahme aus österr. Sicht (Alex Mikusch, Roman Schweidlenka)

Rechte Symbole, Codes, Slogans und Kleidung (Alex Mikusch, Roman Schweidlenka)

Fuck the system? Jugend & Jugendkulturen zwischen Rechtsextremismus, Anpassung und Emanzipation (Roman Schweidlenka)

Workshop/Seminar zum Thema (auch für Schulen):

Wer fürchtet sich vorm weißen Mann? (Ein Power Point-Programm zu Rechtsextremismus, Rechte Jugendliche und deren Jugendkulturen und zu den Symbole der Rechten)

Weiterführende Links:

Plattform gegen Antidemokratische Strömungen – Für eine demokratische Steiermark aktiv aufstehen

Die Plattform wurde Anfang 2007 unter Unterstützung von LRin Vollath gegründet und ist im Landesjugendreferat angesiedelt. Ihr Ziel ist über antidemokratische Strömungen, die sowohl im fundamental religiösen, dem extremistisch politischen Bereich als auch in Randbereichen jugendkultureller und subkultureller Tendenzen zu finden sind, zu informieren und ihnen entgegenzuwirken.

Verbotsgesetz von 1947

Wiener Zeitung: „Rechtsextremismus in Österreich gestiegen“

Der Standard: Verhaftung von Gottfried Küssel in Verbindung mit Alpen.Donau.info

Dokumentationsarchiv des österreichischen Wiederstands (DÖW)

 


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