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Zeigt unsere steirische Jugend „Schlagfertigkeit“?


Nicht selten wird ein katastrophales Bild von Jugendlichen transportiert, sei es in den Medien oder auch unter Erwachsenen. Sind wir gesellschaftsfähig oder sprechen immer öfter die Fäuste? Die Frage, was wirklich an der erhöhten Gewaltbereitschaft der Jugend dran ist, stellt sich unweigerlich. Die zweite steirische Jugendstudie, herausgegeben von der „ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus“ liefert Antworten.

Rund 15 % der Befragten gaben an, häufig (hier die Bereiche „manchmal“ bis „sehr oft“) Schlägereien provoziert zu haben. Über 13 % fanden sich schon manchmal, oft oder sehr oft in der Opferrolle wieder. Der größte Teil der Jugendlichen hatte aber nicht viel mit Gewalt am Hut, um die 85 % waren jeweils selten oder nie Opfer bzw. TäterInnen. Differenziert man nach Geschlecht, gibt es große Unterschiede. Nur etwas mehr als die Hälfte der männlichen Jugendlichen hat nie Schlägereien provoziert, während das bei über 10 % sogar häufig der Fall war. Bei den Mädchen geht es weit friedlicher zu: 93 % haben selten oder nie Gewalt provoziert. Insgesamt steigt die Gewaltbereitschaft in der Gruppe der 14- bis 16-Jährigen deutlich an, und ist mit zunehmendem Alter wieder rückläufig.

Auch die Frage nach dem Zusammenhang von Bildungsgrad und Gewaltbereitschaft lässt sich deutlich beantworten. In Berufsschulen und Hauptschulen sind die Zahlen bezüglich der Provokation von Schlägereien mehr als dreimal so hoch als in AHS oder BHS.

Rassismus – ein leidiges Thema, das uns ständig verfolgt.

Fast 11 % der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bekommen häufig rassistische Aggressionen zu spüren, diese Zahl hat sich in den letzten zwei Jahren fast um ein Drittel erhöht. Die oft strapazierte umgekehrte Seite, also rassistisch motivierte Gewalt gegen „ÖsterreicherInnen“, gibt es praktisch kaum, 95 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund sind selten oder nie Opfer von derartigen Übergriffen geworden, gerade einmal 5 % manchmal oder häufig.

Das kann auch Mag.a Bettina Ramp von der „ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus“ bestätigen. Sie sieht sich kaum mit Beschwerden über rassistische Attacken gegen „ÖsterreicherInnen“ konfrontiert, es komme höchstens vor, dass Mädchen aufgrund des oft unterschiedlichen Frauenbilds angepöbelt werden. Sie weiß aber von einem anderen Phänomen zu berichten, welches in letzter Zeit häufiger auftritt. Konkurrenzierende Auseinandersetzungen zwischen MigrantInnengruppen verschiedener ethnischer Herkunft mehren sich. Dies beginnt bereits im Volksschulbereich mit Verbalattacken oder dem klassischen „befetzen“. Vor allem Kinder mit dunkler Hautfarbe sind davon stark betroffen.

Für die Zukunft: Zweckoptimismus oder begründete Hoffnung?

Es gibt aber auch positive Entwicklungen zu beobachten. Beispielsweise ist die Bereitschaft zu Zivilcourage wieder häufiger gegeben. Laut Statistik haben rund 40 % der Befragten bei drohenden Konfrontationen schon häufig schützend eingegriffen. Auch Mag.a Bettina Ramp kann hier von guten Erfahrungen berichten. Das Bewusstsein für Zivilcourage sei gestiegen und diverse Workshops zu diesem Thema in Schulen werden sehr gut angenommen und erfreuen sich großer Mitarbeit.

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